Supertotalwichtig, Hey!

Zielgruppen-desorientierte Drückerkolonnen gibt es nicht nur an der Haustür. Die Gattung wirrwuseliger Verkaufswichtel findet sich auch hellichten Tags in der Fußgängerzone, bewaffnet mit Tapeziertisch, farbigem Kopierpapier und einer schier überbordenden Menge positiver Energie. Besonders engagierte Exemplare sind weiblich, um die 20, tragen Brille und widmen ihr Leben – dem Tierschutz!

"HALT! Es ist TOTAL WICHTIG!" Plötzlich steht eine Mischung aus Hampel- und Ampelmännchen vor uns, mit ausgebreiteten Armen und einem Lächeln im Gesicht, als sei es mit zwei Angelhaken geliftet. Das Kind – völlig konsterniert: "Was macht die Tante da?" Ich, noch dabei, mein Gleichgewicht wieder zu finden: "Erstaunlich laut im Weg stehen."

Kurzer Schwenk nach rechts und wir haben die Dame umrundet. Haben wir gedacht. Da fliegt schon ihr schwarzes T-Shirt an uns vorüber, bremst uns erneut aus und sagt: "Halt! Hier ist eine Freikarte für das Kind!" Das Kind ist wenig interessiert, trotz oranger Farbe des Zettels, der eifrig vor seinem Gesicht auf und ab flattert. Denn links vom Kind steht ein Straßenmusiker, und der macht viel tollere Geräusche als die engagierte Tierretterin.

"Na, nun nehmen Sie doch", fordert Fräulein Vogelschutz & Co. Aber der Papa findet sein Kind viel toller, das den tollen Straßenmusiker toll findet. Derweil erläutert die junge Dame diverses, besonders aber, dass wir das beworbene Tierschutzzentrum doch mal besuchen sollen. Tiere seien echt prima. Prima Argument in einer Stadt mit dem größten Zoo weit und breit. Und:

"Wie glaubhaft ist ein Natruschutzzentrum, wenn es nur mit dem Auto erreichbar ist?" - Ja, man könne die Tiere doch nicht in der Stadt ansiedeln! Außerdem seien da Wanderwege der Tiere zu berücksichtigen. Derweil das Kind einen Euro in den Kasten des Musikers geworfen hat. "Und wenn Sie uns auch mal ab und zu unterstützten könnten, wäre das besonders toll", fröhlicht die Sprachflötistin. Dann rauscht sie endlich ab.

Und das Kind? Guckt den orangen Zettel an, schiebt ihn zurück zu Papa und sagt: "Darf ich ein Eis?"

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