2008

Bruderhilfe

In Zeiten der Krise soll man enger zusammen rücken. Das haben sich wohl auch die Recken des Marketings eines bekannten deutschen Automobil-Herstellers gedacht, als sie diese Anzeige kreierten:


bruderhilfe


Warum ich das denke? Seit einer Weile wirbt der von der aktuellen Finanzkrise arg gebeutelte amerikanische Automobilhersteller General Motors für einen Chevrolet, der
2010 mit Elektroantrieb auf den Markt kommen wird. Der Name des Wagens: Volt.

Möglich aber auch, dass dieses Plakat andeutet, was Volkswagen in Naher Zukunft plant. Den US-Markt aufzurollen. (Und dabei gleich noch ein paar Marken dazu kaufen?)



Update: Keogravieh

Geografie ist nicht einfach. Am 23. Juli 2007 berichtete ich unter dem Titel „Neue Länder gefunden“ über interessante Auswahlmenüs für die Bestimmung des eigenen Standortes, die allemal für einen Lacher gut waren.

Jetzt hat es der Unsinn aus der virtuellen in die reale Welt geschafft. Geburtshelferin ist eine grundschullehrerinnenhaft lächelnde Dame, deren Bild nebst Autsch-Zitat und dazu gehörigen Drumherum in der Süddeutschen zu finden ist. Was sie gesagt hat?


„Viele große Kleidungshersteller produzieren in Billiglohnländern wie
Asien, China, Bangladesch, El Salvador oder Osteuropa.“



Es ist immer wieder schön, etwas dazu zu lernen. Zumal von Grundschullehrerinnen. Meine ehemalige Grundschullehrerin sagte übrigens, nicht für die Schule, nein, für das Leben lernten wir. Blöd nur, dass sie versäumte, uns die Namen wichtiger Staatsoberhäupter einzubläuen. Wer mir fehlt?

Vielleicht der Asien-Vorsitzende Dumm Schnu-ra und Osteuropas Präsidentin Krystiane Weissnischwo?

Dieser Fehler ist auch deshalb so gravierend, weil Interviews vor der Veröffentlichung vom Interviewten frei gegeben werden müssen. Also hat die Dame ihren Fehler auch beim Kontrollgang übersehen. Übersehen hat ihn zudem der Redakteur und – falls vorhanden – der Lektor der Süddeutschen.

Spätestens dieser Lektor hätte als Sprachkundiger wissen müssen, dass es in etwa so heißt: „Viele große Kleidungshersteller produzieren in Billiglohnländern in Asien, Mittelamerika und Osteuropa, unter anderem in China, Bangladesch und El Salvador.“

Dass die geografische Unkenntnis oder aber die mangelhafte Befähigung zur sprachlich korrekten Darstellung geografischer Zusammenhängen bei dem Gespann System hat, untermauert die später folgende Passage:

„Nordrhein-Westfalen und die Gemeinde Neuss
ist als besonders engagiert hervorzuheben“.


Hier gibt es gleich zwei Fehler: Zum einen sind zwei Subjekte genannt, also muss es „sind“ heißen. Der geografisch-logische Fehler indes ist, dass Neuss in Nordrhein-Westfalen liegt. Daher muss es heißen: „Nordrhein-Westfalen und hier besonders die Gemeinde Neuss sind als besonders engagiert hervorzuheben.“

Da sag noch mal einer, Zeitung lesen bildet...


Honig-Husten

Sprache ist das zuverlässigste Mittel zur Übermittlung von Missverständnissen. Welche Wirkung unachtsame Kombinationen entfalten, zeigt das banale Beispiel Hustensaft:


honig-husten


Die Steigerung des Ganzen ist vermutlich ein Produkt mit dem Slogan „Reizhusten mit Honig“. Ergänzt um den Hinweis: „Anleitung zur holpernden Kommunikation“.



Locker

Skype ist ein tolles Tool für Instant-Messaging: Plattform übergreifend, flexibel, vielfältig, für Chat und Talk tauglich und leider etwas unsicher. Der Grad des Risikos orientiert sich natürlich am Grad des Bewusstseins des jeweiligen Nutzers. Doch bei der Datensicherheit beginnend, zäumen wird das Pferd eigentlich von hinten auf.

Das Thema Risiko befeuert schon viel früher, wer im Kontext professioneller Nutzung mit Unternehmens-Bezug das Wohl der Eigenpräsentation über das der Unternehmenspräsentation stellt. Und dabei die Wirkung der Metakommunikation übersieht:


locker



Was verraten und Bild und Text über die Nutzerin, deren Skype-Name auch ihre Firma mit einschließt? Vermutlich, dass sie blond ist. Und zwar in jeder Beziehung.


--


PS - Wie wir wissen, lässt sich das Gute immer verbessern. Zum Beispiel zum Feierabend:

locker2

oder zu der Frage „Wie war gestern abend?“:

locker3

oder zur Frage: „Was arbeitest du gerade?“

locker5
(Das Buch ist übrigens von Donna Leon)

oder zur Frage „Hat’s der Chef schon gemerkt?“:

locker4

Was zu der Erkenntnis führt:

locker6


PPS - Vielleicht ist ihr aber auch – das Skype-Profil lässt es vermuten – lediglich ihr 9/11-Geburtstag nicht bekommen.




Austauschprogramm

Sprache ist ein zuverlässiger Helfer, wenn es darum geht, ungewollt Ungereimtheiten zu produzieren und sich und anderen mit minimalen Unachtsamkeiten gewaltig vor das Schienbein, wenn nicht in die Eingeweide nebst Gemächt zugleich zu treten.

Wie das funktioniert, hat jetzt ein deutscher Baumarkt präsentiert, der offenbar Wert auf die Farbe Orange legt:


baumarkt_negerheim



Was sich dort als erstes „e“ präsentiert, sollte eigentlich ein „a“ sein. Ist es aber nicht.

Bleibt zu hoffen, dass nicht gerade Mitarbeiter dieses Marktes in der Fernsehwerbung lauthals in den CI-Song eines gleichfalls Orange abonnierten Marktes einstimmen, der nach einer bekannten Queen-Melodie intoniert wird. Inhaltlich wäre das glatt „Sechs. Setzen.“



Große Nachfrage

Immer, wenn etwas Beliebtes in einer neuen Version auf den Markt kommt, ist der Run auf das Objekt der Begierde vorprogrammiert. Das gilt insbesondere bei Freeware, also Software, die nichts kostet, wenn diese im Alltag viel verwendet wird und dazu einen guten Ruf genießt - wie beispielsweise der Webbrowser Firefox.

Welche Dimension „beliebt“ anzunehmen vermag, zeigt dieser Screenshot:


Firefox Nachfrage



527 Stunden Download-Zeit für 17,2 MB ist beeindruckend üppig.

Möglicherweise sollte der ein oder andere Mirror-Server mal seine www-Anbindung überprüfen. Bis dahin aber einvernehmlich: Staunen.



Kleiner Unterschied

Im Supermarkt sind sie allgegenwärtig: die Null-Neuundneunziger. Die Preise also, die so aussehen, als seien sie nicht, was sie im Grunde doch sind: Teuer.

Was uns direkt zum Thema führt: Mid- und Bestager. Leute also, die noch nicht zu alt sind, richtig was los zu machen, und schon über ausreichend Mittel verfügen, das richtig zu genießen. Dass solch eine Gruppe nicht lange von Verkaufs-Strategen unentdeckt bleibt, war abzusehen. Und - schwupps - gibt es zwei Magazine, die um die Geldgeber buhlen:



Alter 50

versus


Alter 49

Die Kontrahenten unterscheiden sich nicht allein im Preis. Sie unterscheiden sich auch im angewandten Prinzip der reduzierten „1“. Denn mal ehrlich: Auch wenn Sie schon 55 wären - würden Sie lieber ein Magazin für Generation 50+ kaufen oder einer für Leute ab 49 Jahren?



Grimms Märchen

Mit zunehmendem Alter neigt der Mensch dazu, sich vor den Unwägbarkeiten des Lebens gefeit zu fühlen. Weit gefehlt: Selbst die aus Kindertagen vertrauten und längst vergessenen Grimms Märchen tauchen unvermittelt in der Blüte der Midlifecrisis wieder auf, gleichfalls modifiziert, aber immer noch wirkmächtig. Und das geht so:

grimms_maerchen1


Das freut das PR-Treibendenherz: Jemand hat bei der Recherche festgestellt, dass er unbedingt noch in den Verteiler möchte, um immer up-to-date zu sein. Brav und professionell wird der Bitte Folge geleistet. Dummer Fehler - mit der folgenden Aussendung lacht laut der böse Wolf und beißt zu:


grimms_maerchen2


Zugegeben, die Idee ist im Kern gut: Informationen bekommt am leichtesten der, der sich um sie bemüht.

Wenn er allerdings mit Tricks arbeitet, klappt das nicht lange: Der Kontakt ist gelöscht, und das Portal ist gründlich diskreditiert. Glückwunsch!



Made for a Mac

Laurence Sterne begann bereits Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Roman „Leben und Ansichten des Tristram Shandy, Gentleman“ mit den denkwürdigen Worten:

sterne


Glücklicher Shandy!

Er lebt nicht heutigentags, und findet sich daher auch nicht beim Öffnen des Handbuchs seines neuen Computers mit so erstaunlichen und impliziert weitsichtigen Mitteilungen konfrontiert wie jener, die gerade mein Verhältnis zu meiner eigenen Elternschaft auf einen völlig neuen Erlebnishorizont katapultierte:


imac gemacht fuereinander
Made for a Mac: Schlau gemacht, Mama und Papa.



Blöd nur, dass meine Eltern da nicht auch gleich die Initialzündung zur Produktion des in Ihnen intuitiv beheimateten Alurechners hatten.

Oder müssten sich bloß die ersten Zeilen des iMac-Handbuchs selbstreflektorisch lesen wie: „Ich wünschte, entweder Steve Jobs oder sein Webertexter...“



Farben-Spiele

Farben bereichern das Leben. Machen den Alltag bunt und die Kleidung tragbar (zumindest in einigen Fällen), lassen einen das eigene Heim in der Masse analog gestalteter Individualbehausungen wieder erkennen und verraten einem unmittelbar, ob das Gegenüber die letzten Minuten zum Termin gehetzt ist oder nicht, ob es puterrot aufgeregt ist oder kreidebleich in Ehr- oder auch nur Furcht erstarrt.

Kein Wunder also, dass der Mensch nach Farbigkeit trachtet. Selbst in Texten sind Farben gewünscht. Und werden von Software angeboten, wenn auch nicht immer zwingend glücklich betitelt:


Farbe Banane
Gelb = Alles Banane?



Da rettet auch das sich anschließende „Lachs“ nebst „Melone“ und „Limone“ wenig. Was danach kommt? Sie ahnen es gewiss schon: „Himmel!“



Offenbar: Press-Area

Ein Bild sagt mehr:

Armani Presse Bereich
Alte Bekannte: Der Pressebereich von Armani wirkt irgendwie vertraut.


Wo sich der geschätzte Leser hier befindet, ist offenbar. Und weil das ganze vertraut wirkt, sinkt auch die Angst, die Orientierung zu verlieren. Pfiffig.



L'arte de Rechtschreibung

Es ist erst wenige Tage her, da sprengte die unverrückbare Literaturkritikerikone Marcel Reich-Ranicki die Verleihungsfeiern zum Deutschen Fernsehpreis, indem er die Trophäe für sein Lebenswerk ablehnte und das deutsche Fernsehgeschehen in Bausch und Bogen verdammte. Bis auf das von ihm geschätzte arte-Programm, welches sich heute auf eine kulturerweiternde Form für dieses Lob aus höchstem Munde revanchierte und seine führende Rolle im bundesdeutschen Programmgeschehen eindrucksvoll untermauerte:

Bild 1
arte: Reformierte Rechtsschreibung

Wer genau an der Gepsrächsrunde teilnahm – wir wissen es nicht. Gleichfalls wissen wir nicht mit Gewissheit zu sagen, ob nun die Damen und Herren arte höchstselbst oder lediglich ein Gelegeheitstipper in einer der vielen ruchbaren Fernsehprogrammschnellerfassungsbuden à la tvtv die Feder führte resp. sich verirrtippte. Aber als kleiner Spaß am Rande reicht es allemal.



Missing "w"

Umsatz schützt vor Torheit nicht:

sennheiser_resistent
Auto-comment: Selten so geglückt.


Dass jemand seine eigene Arbeit in der Öffentlichkeit gleich passend kommentiert...



Gehören Frauen ghettoisiert?

Frauen sind zu ghettoisieren. Jedenfalls meint das ein Fördertopf der EU. Und einige Frauen, die sich aus dem selben füttern lassen:

frauen foerderung
Bitte nicht helfen: EU-Richtlinien zur Frauenförderung.

Der Hintergrund: Ich wollte einen Büroraum vermieten und schrieb das auch in eine Online-Börse für Frauen. Aber das Angebot dürfen die raumsuchenden Frauen nicht wissen. Denn ohne Doppel-X-Chromosom falle ich als anbietender Nutzer der Kontaktbörse nicht in die EU-Förderrichtlinien. Was im Umkehrschluss bedeutet: Hier dürfen EU gefördert nur Frauen für Frauen sinnvolle und hilfreiche Angebote machen. Willkommen im EU-geförderten Online-Ghetto.

Welche politische Motivation dabei eine Rolle spielt, die Kommunikation zwischen den Geschlechtern Fördertopf-flankiert zu behindern, möchte ich gar nicht diskutieren. Aber dass Frauen das akzeptieren, um an Geld für Ihre Arbeit zu kommen, stimmt mich doch verwundert.