Die Bahn goes IT

Wer glaubt, Online-Ticketing mit der Bahn sei moderne Technik, der irrt gewaltig. Denn hinter der Fassade funktionsreicher Onlineportale und einfacher Buchung von Zugfahrten lauert der behäbige, alte Schaffner von Sankt Bürokratius.

Denn wer sein Online-Ticket gebucht hat, muss es ausdrucken, damit es gültig ist.Das steht zum Beispiel auf dem PDF, sobald es lokal gespeichert ist. Aber auch erst dann. Wer es nicht ausdruckt, hat – für die Fahrt München-Hannover zum Beispiel eine 55 Euro teure – Datenleiche im Speicher. Und das geht so:

"Die Fahrkarten bitte." – "Ich habe sie gerade online gebucht und keinen Ausdruck, sondern nur das PDF auf dem Monitor hier." – "Das kann ich leider nicht akzeptieren, da müssen Sie nachlösen." – "Können Sie das nicht vom Bildschirm scannen?" – "Scannen kann ich es schon (probiert es, Gerät quittiert das PDF als gültig) – ich kann es so aber nicht stempeln."

Resultat: Online-Ticket bezahlt, Nachlöser-Ticket auch bezahlt, obwohl das Online-Ticket prinzipiell funktioniert. Das ist Nepp.

Was man daraus lernen kann? Trau keinem EDV-Ticket. Und wenn ich das nächste mal im Bus fahre, nehme ich sicher kein Handy-Ticket. Denn wenn ich das Handy nicht danach in den Stempelautomaten zwänge, zahle ich bestimmt 40 Euro für Schwarzfahren.

Online-Ticket
Strassenraub auf Schienen: Dieses Ticket ist ungültig, obwohl es gescannt werden kann...
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Blöde Tage

Es gibt sie, die blöden Tage. Die Tage, an denen es nichts zu meckern gibt. Gar nichts. Keine schlechte Werbung. Kein missratenes Foto. Keine komische Aussage. Oder einfach nur zu viel Arbeit, um noch neben die Innenwelt zu gucken.

Also will ich auch nicht über die Bewerbung spotten, die heute bei mir eintrudelte: Eloquent, interessant, attraktiv, dieser Mensch. Er vermochte sich und seine Leistungen gut darzustellen. Nur zwei Dinge irritierten mich:

_ Natürlich ist eine Bewerbung ein Werbeanschreiben. Aber trotzdem könnte es lohnen, vorsichtig mit den Techniken des Werbemailings umzugehen.

_ Es ist ein Zeichen von Einsatz, dass sich jemand die Mühe macht, sich selber auf blauen Dunst in 80 Zeilen zu schildern. Aber auf Nummer sicher zu gehen, wäre viel einfacher - und wird in jedem Bewerbungsratgeber empfohlen: Kurz mal anrufen.

Dann hätte ich gleich sagen könnnen, dass in einem 1-Personen-Unternehmen kein Platz ist für zwei. Leider. Sehr leider.

Noch.
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Spam für Anfänger

Wenn man nach einigen Tagen der Abwesenheit an seinen Schreibtisch zurückkehrt, ist das fast wie Weihnachten: Ganz viele Geschenke im E-Mail Postfach, und das meiste davon ist Müll.

Aber der Viagra-, Date-me- und Pornomäuschen-Müll hat auch humorige Seiten. Wie wäre es mit diesem Beispiel:


Spam_fuer_Anfaenger

Zu des Verfassers Glück ist die Spam-Mail nicht mit seinem Klarnamen signiert. Denn schon eine kurze Inhaltsanalyse der beiden hauptbestimmenden Komponenten "Mahnung" und "gewonnen" hätte ausgereicht, den Seppelhut an ihm vorbei zu mogeln.

Stattdessen untermauert er nun profund den Lieblingssatz meines alten Deutschlehrers selig: Erst denken, dann schreiben.
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Vanillepudding

Warum bin ich da nicht drauf gekommen? Mit ein bisschen Klangkosmetik ist schließlich auch das banalste Ding in Massen und mit Gewinn unter die Leute zu bringen.

Nehmen wir zum Beispiel Französisch:

Mit einem schönen accent circumflex und einem "C" statt einem "K" entsteht leicht die notwendige Exklusivität. Oder Exotik. Erotik. Wie bei Vanillepudding.

Das ist ein gelbes, labberiges Zeug, das durch Anreicherung mit kostbarem Kirschpams den perfekten Dinner-Promi einer plebeischen Festtafel darstellt. Bringt aber kein Geld. Also:

Her mit dem Wörterbuch. Und ein bisschen nachgedacht: Pams gleich Krem. Und Vanille? Zum Brüllen. Fertig ist die Creme Brûlet.

Schnell noch mit dem Taschenfeuerzeug ein bisschen Zucker drauf karamelisieren – voilais: Das Abschluss-Appetithäppchen eines festlichen C-Klasse-Mercedes-High-Society-Dinnées.

Ist das Leben nicht schön?
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Ich spöttel doch gar nicht

Multifunktionsdruckerfaxscannerwunder sind klasse. Aber ihr wares Potential zeigen diese technischen Wunderkombinationskästschen erst, wenn man sie mit der Wirklichkeit konfrontiert: einem Computer.

Davon gibt es bekanntlich zwei Sorten. Die einen sind Windows-Rechner. Die anderen funktionieren.

Das dieses wirklich so ist, zeigt die Installation der Treiber-Software von der mitgelieferten CD. Beim Mac geht das so: CD einlegen, Installationsprogramm startet automatisch, Dialogfelder bestätigen, Installationsfortschritt beobachten, "Beenden" bestätigen, fertig.

Auch Windows kann das: CD einlegen. Autostart abwarten. Abwarten. Warten. War da was? Richtig. Explorer öffnen, Laufwerk E anklicken, CD Inhalt anzeigen lassen, "setup.exe" vermissen, "autostart.exe" suchen, "install.exe" finden, doppelklicken, Dialogfelder bestätigen, Installationsfortschritt beobachten, Installationsfortschritt beobachten, Installationsfortschritt beobachten, Installationsfortschritt beobachten, "Beenden" abwarten, warten, warten - "Bitte starten Sie Ihren Computer neu, damit einige Dateien gelöscht werden können und die Installation abgeschlossen werden kann."

Aber eigentlich hätte man es vorher wissen können: Die Kurzanleitung stellt die Installations-Prozesse nebeneinander dar. Der feine Unterschied ist ein rot umrahmter Kasten ganz am Ende der Windows-Darstellung: "Wenn dieser Bildschrim nicht angezeigt wird, lesen Sie im letzten Abschnitt die Informationen unter Fehlerbehebung."

Windows_exklusiv
Fehlerwarnung: Exklusiv für Windows.
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Haken schlagen

Eine gute Betriebsanleitung zeichet sich dadurch aus, dass sie den Anwender eines Produktes dazu verleitet, nachzudenken. Das dachte sich auch HP und legte seinem Offiejet 4300 All-in-One eine planvoll erstellte und reichhaltig bebilderte Papierhilfe bei. Zudem waren die Techniker pfiffig und programmierten ihrer Druck-Fax-Scan-Kombi eine Hilfsanzeige für das Display mit ein. Nutzt bloß nix.

"Papierstau bitte beseitigen", behauptet das Gerät sofort nach dem ersten Einschalten. Da lag das Papier noch in seiner Verpackung. Was auch gut so war, denn ich wollte die Druckerpatronen einsetzen. Deren Transportwagen hängte aber fest. Warum?

"Entfernen Sie sämtliches Verpackungsmaterial" riet die Anleitung - und siehe da, in Innern des Papierfaches war als Transportischerung ein gefalteter Kartonstreifen versteckt. Ein Mann, ein Griff, schon war der Störenfried beseitigt. Einschalten, Transportwagen startet. "Klacker". Geht nicht.

Noch mal in die Anleitung schauen. Nichts. Im Handbuch nachlesen. Nichts. Am Transportwagen zupfen. Nichts. Laut schreien. Nichts. Und dann... – Kaffee trinken. Die Zeit mit der Tasse in der Hand bringt den entscheidenden Impuls: Nachdenken. Das führt zu Nachgucken. Und das führt zum entscheiden Resultat: Entdecken.

Nämlich einen Sicherungsklammer, die auf der Laufstange des Transportwagen aufgesteckt ist. Klein, stark, schwarz. Und nirgend dokumentiert.

Was die Frage aufwirft: Was bedeutet HP? Vielleicht: Haste Pfertich?
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Ökowein 2: Cecchi? (ital., Winzersprache für: Kapiert?)

Auch auf den Verdacht hin, dass ich jetzt das Betriebsstoffe-Stempelchen aufgedückt bekomme: Rotwein inspiriert. Selbst die Winzer. Das erkennt man spätestens dann, wenn die Flasche Wein entkorkt ist und sich am gewundenen Stahl zu aller Überraschung ein - ...

... neumodernen Kunststoff-Korken festkrallt. PVC? Mist! Doch weit gefehlt. Die Weinverkäuferin klärte auf, dass der Kork aus dem Chemiebaukasten neben blauer Farbe auch eine zuverlässige Dichtigkeit nebst Mangel an Korkgeschmack mit sich bringe. Tatsächlich sei er sogar ganz und gar geschmacksneutral.

Mit dieser Kenntnis gestärkt, folgte der Griff gezielt zu den Bouteillen des auf dem Blaukork in Golddruck verewigten Winzers italienischer Provinienz. Und welche Freude, als von genau diesem Kelter geschmackvoller Rebsäfte ein Öko-Chianti im Regal stand. Geschaut, gekauft. Da lacht das Ladenkassenherz. Doch dann... –

Wie groß war die Überraschung, als am gewundenen Stahl ein Kork aus Kork baumelte. Und das Logo nicht aufgedruckt war, sondern altmodische eingebrannt. So lacht das Ökosäuferherz. Denn merke:

Zielgruppen spezifisches Marketing hört bei der Hülle nicht auf.

Cecchi

Jedem das seine. Auch: Zum Vorurteil passender Korken.
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Ökowein 1: Nur die Liebe zählt!

Rot muss sie sein, die Liebe. Wie roter Wein. Daher eignet sich das Pärchen auch prima für Zusammenschlüsse. (Eine mögliche aphrodisierende Wirkung bei manchem Konsumenten wird hierbei billigend in Kauf genommen).

Wie schön sich Wein und Liebe paaren lassen, wissen am besten – natürlich – die Italiener. "Ti amo, Chianto?" Nicht ganz:

Aus liebe zum Menschen
Bio, echt Bio! Das ist der Schlüssel zum Glück. Warum, das erklärt die Rückseite der Banderole meines heute erstandenen Fläschchens: "Produkt aus biologisch angebauten Trauben. Aus Liebe zu den Pflanzen, der Erde und dem Menschen."

Fragt sich nur, zu welchem genau.
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