Auch mal machen

Kunden brauchen Liebe

Software ist ein dröges Geschäft. Auch und gerade für Kunden:

Die meisten Programme kaufen wir heute Online. Wir füllen den digitalen Einkaufskorb mit digitalen Waren. Wir geben Kreditkartendaten ein oder die Zugangscodes für PayPal, Click&Buy, eSellerate und wie sie alle heißen. Wir bekommen eine E-Mail mit Downloadlink und Lizenzcode. Ihn geben wir nach Download und Installation in die Software ein. Und die bedankt sich in aller Regel mit einem schnöden Prompt im Standarddesign des Betriebssystems. Das war’s.

Wie viel schöner wäre dagegen das Leben als Konsument, wenn der Wert des eigenen Handelns auch grafisch erfassbar wäre, quasi in einer wertschätzenden Honoration des ökonomiekonstituierenden Verhaltens in Gestalt eines Augen erfreuenden Bildes wie beispielsweise diesem hier:

zertifizierter kauf



Ach, wie fein es wäre, täten auch andere das machen. Nicht wahr?


Kleiner Unterschied

Im Supermarkt sind sie allgegenwärtig: die Null-Neuundneunziger. Die Preise also, die so aussehen, als seien sie nicht, was sie im Grunde doch sind: Teuer.

Was uns direkt zum Thema führt: Mid- und Bestager. Leute also, die noch nicht zu alt sind, richtig was los zu machen, und schon über ausreichend Mittel verfügen, das richtig zu genießen. Dass solch eine Gruppe nicht lange von Verkaufs-Strategen unentdeckt bleibt, war abzusehen. Und - schwupps - gibt es zwei Magazine, die um die Geldgeber buhlen:



Alter 50

versus


Alter 49

Die Kontrahenten unterscheiden sich nicht allein im Preis. Sie unterscheiden sich auch im angewandten Prinzip der reduzierten „1“. Denn mal ehrlich: Auch wenn Sie schon 55 wären - würden Sie lieber ein Magazin für Generation 50+ kaufen oder einer für Leute ab 49 Jahren?



Offenbar: Press-Area

Ein Bild sagt mehr:

Armani Presse Bereich
Alte Bekannte: Der Pressebereich von Armani wirkt irgendwie vertraut.


Wo sich der geschätzte Leser hier befindet, ist offenbar. Und weil das ganze vertraut wirkt, sinkt auch die Angst, die Orientierung zu verlieren. Pfiffig.



Mehrwertsteuererhöhung

Ich finde die Mehrwehrtsteuererhöhung toll. 19% ausgeben, aber nur 7% einnehmen, da hat sich der Umsatzsteueranteil schnell egalisiert.

Was ist auch toll finde, ist eine Illustration, die mir jüngst in das E-Mail-Postfach tropfte:


Mehrwertsteuererhoehung
All included: Wagenpfand mit Add-on


Wie heißt es so schön: ein Bild spricht mehr als 1000 Worte.
(Auch wenn hier die Mehrwertsteuer in Ermangelung repräsentativer 19 Cent Münzen um 20% erhöht wurde...)



Vanillepudding

Warum bin ich da nicht drauf gekommen? Mit ein bisschen Klangkosmetik ist schließlich auch das banalste Ding in Massen und mit Gewinn unter die Leute zu bringen.

Nehmen wir zum Beispiel Französisch:

Mit einem schönen accent circumflex und einem "C" statt einem "K" entsteht leicht die notwendige Exklusivität. Oder Exotik. Erotik. Wie bei Vanillepudding.

Das ist ein gelbes, labberiges Zeug, das durch Anreicherung mit kostbarem Kirschpams den perfekten Dinner-Promi einer plebeischen Festtafel darstellt. Bringt aber kein Geld. Also:

Her mit dem Wörterbuch. Und ein bisschen nachgedacht: Pams gleich Krem. Und Vanille? Zum Brüllen. Fertig ist die Creme Brûlet.

Schnell noch mit dem Taschenfeuerzeug ein bisschen Zucker drauf karamelisieren – voilais: Das Abschluss-Appetithäppchen eines festlichen C-Klasse-Mercedes-High-Society-Dinnées.

Ist das Leben nicht schön?




Ökowein 2: Cecchi = Oenologisch f. "Kapiert?"

Auch auf den Verdacht hin, dass ich jetzt das Betriebsstoffe-Stempelchen aufgedückt bekomme: Rotwein inspiriert. Selbst die Winzer. Das erkennt man spätestens dann, wenn die Flasche Wein entkorkt ist und sich am gewundenen Stahl zu aller Überraschung ein - ...

... neumodernen Kunststoff-Korken festkrallt. PVC? Mist! Doch weit gefehlt. Die Weinverkäuferin klärte auf, dass der Kork aus dem Chemiebaukasten neben blauer Farbe auch eine zuverlässige Dichtigkeit nebst Mangel an Korkgeschmack mit sich bringe. Tatsächlich sei er sogar ganz und gar geschmacksneutral.

Mit dieser Kenntnis gestärkt, folgte der Griff gezielt zu den Bouteillen des auf dem Blaukork in Golddruck verewigten Winzers italienischer Provinienz. Und welche Freude, als von genau diesem Kelter geschmackvoller Rebsäfte ein Öko-Chianti im Regal stand. Geschaut, gekauft. Da lacht das Ladenkassenherz. Doch dann... –

Wie groß war die Überraschung, als am gewundenen Stahl ein Kork aus Kork baumelte. Und das Logo nicht aufgedruckt war, sondern altmodische eingebrannt. So lacht das Ökosäuferherz. Denn merke:

Zielgruppen spezifisches Marketing hört bei der Hülle nicht auf.

Cecchi
Jedem das seine. Auch: Zum Vorurteil passender Korken.




'ne Scheibe abschneiden

Was meint Crealog? Kreativ? Logo!

Könnte man denken. Ist manchmal auch so. Zum Beispiel gerade jetzt: Da hat das Softwarehaus doch glatt auf einer Messe Kuchen verteilt. Als Backmischung im Karton. Blöde Idee?

Denkste. Das "Crealog Meisterstück" ist "Echt wie Crealog: Ganz ohne Konservierungsstoffe." Behauptet jedenfalls die Vorderseite. Auf der Rückseite steht – mit Einschränkung gleichfalls kreativ – die Montageanleitung für die Biskuittorte mit Mohn, Marzipan und Sachnefüllung. Lecker?

Wenn man Backmischungen mag, sicher. Aber auch, wenn man Texte mag: Denn die Crea-tiven haben den Aufbau des Selfmade Gebäcks als Analogie zu ihren eigenen Produkten beschrieben. Zum reinbeißen.


Crealog_Torte



P.S. Falls auch Sie Ihre Firmentorte haben möchten, gehen Sie gleich zu www.kathi.de - die haben das Backwerk verzapft.




Handy Man

Eine Gastwirtschaft zeichnet sich durch Gäste aus. Und damit die bleiben, gönnt man Ihnen zwei Bier und einfach Service. Sollte man denken. Stimmt aber nicht immer:

Wenn man sich an Orten wie einem Zoo aufhält, an denen die Gastwirtschaft wegen der Abgeschlossenheit des Systems Exklusivrechte genießt, ist es mit dem Genuss des Gastes gelegentlich vorbei. Und mit seiner Sicherheit.

Zum Beispiel bei zerschlagenem Glas auf dem Boden. Macht nichts. Auch wenn Kinder barfuß um die Tische tollen. Können die Leute ja aufpassen auf ihre Göhren. Jedenfalls die ersten 10 Minuten. Dann sammelt ein junges Fräulein die großen Scherben ein. Die kleinen? Bleiben liegen.

Noch 10 Minuten später kommt ein junger Kellner, den Nachbartisch mit der glänzenden Umrahmung abzuräumen.

_ Vater: Könnten Sie bitte die restlichen Scherben beseitigen?
_ Kellner: Leider nein, das ist Aufgabe der Putzkolonne.
_ Vater: Nur damit ich das richtig verstehe, Sie sind nicht in der Lage, eigenhändig einen Handfeger korrekt zu bedienen?
_ Kellern: Natürlich kann ich das.
_ Vater: Na, dann besteht ja doch Hoffnung...

Der Kellner schickte das junge Fräulein. Trinkgeld erhielt sie an diesem Tag doppelt. Denn hätte sie nicht gefegt, wäre von der Gastwirtschaft nur noch das Ende übrig geblieben, als Stoßseufzer: Eine Wirtschaft...




Zwischen den Zeilen

Wer nicht wieder kommen will, schreibt ins Gästebuch nur Gutes, heißt es. Wer danach liest: "Die Polster der Stühle im Empfang hatten ein ansprechendes Muster", weiß bescheid.

Die Polstermuster führen uns direkt in das Zentrum einer Binsenweisheit: Interessant an jedem Lob und jedem positiven Statement ist vor allem das, was nicht erwähnt wird. Das wird um so spannender, je elitärer und kultivierter sich der Kritiker gibt. Und je englischer oder fernöstlischer er ist.

Denn in manchen Ländern ist es – anders als in Deutschland – Sitte, sein Gegenüber mit einer Kritik nicht direkt zu beleidigen.

Stattdessen verbergen sich die Minuspunkte hinter vorgeblichen Plus-Zeichen. Das fordert ultimative Aufmerksamkeit von jedem Zuhörer. Und heißt in Wahrheit übersetzt:

Politeness often is a lie in disguise.



Klar illustriert

Für Klarheit zu sorgen , ist eine der hohen Aufgaben des Journalismusses. Dazu brauchts nicht zwingend ein akribisch recherchiertes Watergate. Dazu bedarf es manchmal nur einer guten Illustration, um den Betrachter auf einen Blick in's Bild zu setzen. Und das geht so:


titel_kma

Perfekt gemacht: Ein Bild sagt mehr mit kleinen Wörtern.



Schwer zu lesen? Das gebe ich zu. Was da steht – und so klein steht es da sehr gut – ist: "Die große Gesundheitsreform".

Zugegeben, die Darstellung ist ein Kommentar. Doch ist ein Kommentar eine Denkanregung. Und diese hier ist kaum zu schlagen. So klar fassbar zu sein, kann auch bei Marketing und Werbung helfen. Nur muss es mal einer tun...





Sancta Curiositas

Professionelle Kreativität ist eine bedrückende Angelegenheit. Wenn der Chef drängelt, der Kunde quengelt, einem mal wieder nichts einfällt als die Tür mit Wucht ins Schloss zu hauen, dann hilft vielleicht - eBay. Im Ernst: Gäbe es eine Kategorie "Kuriositäten", täte man da gerne mal zum Wohle der eigenen Inspiration wildern. Kostprobe gefällig?

Ersteigern konnte man beim weltgrößten Online-Auktionshaus zum Beispiel
  • ein Wireless LAN Kabel
  • Ersatzluftblasen für Wasserwagen
  • dehydriertes Wasser


Für besonders Gläubige gab es
  • den Noch-Nicht-Papst-Golf
  • ein Originalfoto von Jesus
  • eine Toastscheibe mit dem Antlitz der Muttergottes

3,2,1 - meins! - Der Golf brachte es Dank US of Aaaa auf über 180.000 Euro. Auch die Muttergottes war im Land der unbegrenzten - Urteilen Sie selbst - über 20.000 (in Worten: ZWANZIGAUSEND) Dollar wert.

Sollten Sie also morgen nach dem Frühstück eine halbe Scheibe Toast rumliegen haben, vergessen Sie blöde Chefs, doofe Kunden und Mutterns "alles aufessen, sonst gibt's schlechtes Wetter". Für 10 halbgegessene Toastscheiben gibt's mit etwas Glück eine Finca auf Mallorca. Und mit einer weiteren Scheibe pro Quartal sichern Sie sich einen annehmlichen Lebensstandard.



.Muttergottes
Spezialität aus Acrylamid:
Muttergottes auf Toast.
Oder ist es doch Marilyn?