Heldentaten

Lesen bildet! (Verstehen noch mehr...)

Es gibt Witze, die sind so gut, dass man bei ihnen keinesfalls auch nur den Anflug eines Punktes ergänzen sollte.

Eine der besten Witzeerzählerinnen der Woche ist Petra (29) aus Paderborn (NRW), die bei dem üblichen Frage-Antwort-Spiel für entkleidete Bild-Leserinnen sagte:

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Väter werden immer jünger

Väter werden immer jünger, auch im europäischen Hochadel. Hochadel meint hierbei jene Bevölkerungsgruppe mit künstlich verlängerten Ortsnamen, die aus früheren Zeiten stammend noch immer über beträchtliche Geldmittel verfügen, was sie für verschiedene Menschen attraktiv macht – allen voran Klatschkolumnisten.

Und einem (einer?) solchen ist in der Süddeutschen nun der Beleg gelungen, dass Väter immer jünger werden:

casiraghi



Das ist sehr bedauerlich.

Wobei ich nicht allein den frühen Tod des Vaters meine, sondern auch, dass im Eifer des Gefechts manchem zu entgehen scheint, dass die deutsche Grammatik überall ihre Fallen birgt. Und dass professionell zu schreiben so wenig vor Fehlern schützt wie ein renommierter Arbeitsplatz.

(In diesem Fall hieße es übrigens korrekt: „ein Arbeitsplatz bei einer renommierten Tageszeitung“ ;-)


OS X ist Windows

Manchmal sind Copy & Paste wahrhaftig keine Helfer: Wenn in Magazinen falsche Kontaktdaten unter einem Unternehmen stehen, weil die Box im Satzprogramm einfach dupliziert wurde. Wenn Tabellenspalten eingefügt werden und ungewollt Doubletten entstehen. Wenn veraltete Daten aus einem Dokument als aktuell publiziert werden – die Chancen zu scheitern sind vielfältig.

Dass selbst weit vorne im Markt positionierte, hoch professionell aufgestellte Unternehmen vor derartigen Misslichkeiten nicht gefeit sind, zeigt ein aktueller Screenshot aus dem Downloadbereich eines bekannten Scanner-, Drucker- und Kameraherstellers:


OSX für windows


Nein, ich möchte jetzt nicht in den Chor sektiererischer Mac- oder Windows-Fans einstimmen. Nur anmerken, dass so etwas flächendeckend gemacht peinlich wird, das möchte ich dann doch noch kurz.



Kleingedrucktes

Twitter ist klasse. Wer schnell mal einen Lebensaspekt in 140 Zeichen destillieren möchte, hat per Browser jederzeit Zugriff auf Millionen von potenziellen Wahrnehmern. Und jetzt wird alles noch besser: Mit dem neuen Twitter.

Damit auch alle gleich verstehen, wo die Vorteile liegen und welche prima Verbesserungen es gibt, haben die Twitter-Marketer gleich ein Video ins Netz gestellt, das alles anschaulich beschreibt. In Deutschland begrüßt es einen so:


twitter-new1



Das sieht hübsch aus, nutzt aber nichts, denn mitten im Schwarzen ist da diese kleine Zeile, diese Fast-Nutzen-Mitteilung


twitter-new2



Gut zu wissen. Nur: Was ist denn jetzt neu an Twitter? Unzureichende Kommunikation?



Spam-Pal

Spam ist doof. Das wissen wir. Aber dass Spammer doof sind, ist eine neue Entdeckung. Dieser hier allerdings machte es dem geneigten Betrachter auch überraschend leicht. Schon die Absenderkennung war nur sehr mäßig vertrauenswürdig:

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Gleichfalls die Anrede ließ von einer gewissen Unkunde der hiesigen landestypischen Gepflogenheiten ausgehen:


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Als Produkt adressiert zu werden, ist mir nicht häufig passiert. Ok, der Bäcker sagt morgens immer „Morgen Herr Mohnwecken“ und der Autohändler meinte jüngst, „so eine Reifenpanne kommt schon mal vor, Herr Vokswagen“. Aber sonst...

Dann folgte ein charmant hölzerner Stil, der eher auf eine maschinelle Übersetzung schließen ließ als auf einen sorgengebeutelten Diensteanbieter, denn da stand:


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Spätestens hier hätte auch eine mäßig intellektuell begabte Blindschleiche Lunte gerochen und ein Problem im Zusammenhang mit Ihrem Konto festgestellt, und zwar ein Abbuchungsproblem. Daraufhin hätte sie gewiss den Betreff

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ein wenig gegen den Strich gebürstet und einen folgenleichten Schluss gezogen: PayProblem, Pal.



Herr #NACHNAME#

Ich gebe es frei und offen zu: Ich spotte machmal schon gerne ein bisschen. Zum Beispiel über die arbeitserleichternden Automatismen von Serienbrieferzeugern, zumal, wenn diese patzen. Ein charmantes Exemplar eines solchen Patzers erreichte mich jetzt in Gestalt eines Belegexemplars, repsektive seines Adressaufklebers. Denn auf dem Stand:

Herr Nachname


Nicht allein, dass die Agentur, wollte man der Schreibung Glauben schenken, „Namuprrrrr“ ausgesprochen werden müsste, war mir meine Umbenennung gänzlich neu und muss ich im Neujahrstrubel irgendwie verpasst haben. Immerhin bin ich jetzt im Bild. Und zolle dem Postboten meinen Dank dafür, dass er trotz der drolligen Adressierung so freundlich war, die Zeitschrift zuzustellen.



Professionell

Pressemitteilungen sind auch 2010 noch immer ein unerschöpflicher Quell der Freude. Zumindest für jene, die nicht nur offenen, sondern auch sehenden Auges und denkenden Hirns lesen. Zum Beispiel eine Überschrift wie diese:


professionell1


Ist es nicht wunderbar, wie diese kurzen Zeilen den Leser unausweichlich auf die hohe Wertigkeit und den essentiellen Nutzen des bejubelten Produktes verweisen? Und sie tut es sogar doppelt, damit auch ja kein Depp die frohe Kunde verpasst: Professionell. Jawohl: Doppelt professionell sogar. Ganz so, als würden professionelle Werkzeuge für die unprofessionelle Nutzung oder sogar die professionelle Nichtnutzung von etwas angeschafft, quasi als „Na und? Habe ich auch schon“-Deko des IT-Systems....

Wohlmöglich aber liegt die dubiose Doppelung auch einfach nur an der Professionalität seiner Verfasser. Denn die haben das Bonmot „Ich bin Geschichtenerzähler“ von Klaus Kocks über seine PR-Tätigkeit offenbar etwas zu wörtlich genommen und beginnen ihre Meldung mit einem beinahe schon klassisch zu nennenden Einstieg – klassisch insbesondere für Märchen:


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Wie so oft, wenn Märchenerzähler glauben, durch einen langen, weiten, mit Banalitäten gespickten Spannungsbogen die Wirklichkeit mit besonders viel Bedeutung aufzuladen, ist auch hier der Knalleffekt in etwas vergleichbar mit dem Öffnen eines Kronenkorkens – ein leises „Pfft“. Das war’s.

Doch welcher Trost bleibt den armen Verfassern, die gewiss für Tage an ihrem gestümperten PR-Text geschrieben, gestrichen und gebastelt haben? Vielleicht die alte Weisheit, dass auch von schlechten Nachrichten am Ende nur der Name haften bleibt? Oder dass eine professionelle PR-Agentur manchmal ganz nützlich sein kann?


Sparpakete

Datenbankpflege und Doublettenabgleich sind eine hohe Kunst, die nicht immer so gelingt, wie sich das der Theoretiker vorstellt. Und so kommt es vor, dass der geneigte Kunde in Zeiten der kostengünstigen E-Mail gleich doppelt bedacht wird mit Angeboten - die auch doppelt bepreist sind:

nuance99


nuance49


Da fällt die Entscheidung wirklich schwer. Nicht so sehr zwischen den angebotenen Update-Optionen. Wohl aber bei der Frage, ob und in welchem Maße das anbietende Unternehmen als professionell zu betrachten ist.



meinJOUNGSTERvz

Sind Sie auch schon verwebzwonullt? Mit Twitteraccount und facebookprofil und xingkontakten und meinvzfreundeskreis? Das ist fein. Aber sind sie ganz sicher nicht zu alt? MeinVZ nämlich prüft das sehr genau:


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Also: Nicht mogeln, wenn Sie mal wieder im Buzzwordmainstream mit schwimmen wollen. Jedenfalls nicht all zu dolle...


Help!

Help!

Sie kennen ihn gewiss auch, den unausweichlichen Ruf Paul Mc Cartneys auf einer dieser alten Beatles-LPs. Und auch den unausweichlichen Ruf Ihres Selbst angesichts eines neuen, unerwarteten Computerproblems ist Ihnen sicher bestens bekannt. Aber kennen Sie auch die Symbiose aus beidem?

Die Programmierer von iSquint haben zusammengefügt, was zusammen gehört, und zwar in dem Hilfe-Menü Ihres Programms:


HELP - ausschnitt



Hoffentlich ist diese Verwertung geistigen Eigentums Dritter nicht ein Copyright-Verstoß, dann das würde bei einem Beatlessong gewiss teurer als die Shareware erlaubt.



Service

Haben Sie schon mal ein Paket aufgegeben? Wohl gar in einem dieser drolligen Post-Kioske, die zunehmend überall aus dem Boden schießen? Es ist zum Schießen, möchte man meinen. Aber manchmal, da ist es nicht einmal zum Lachen. Wäre da nicht die Situationskomik.

Gerade komme ich von so einem Situationskomiker. Er betreibt einen kleinen SchreibwarenLottoZeitschriftenPostannahmestelle-Laden, den er mit mit noch kleineren Plakaten dekoriert hat, die seine „Stimmungsdisko - Musik für jede Feier“ bewerben. Überlebenskampf statt Hartz IV ist kaum anschaulicher zu dokumentieren.

Der angegraute Endvierziger mit Beatnickfrisur nahm heute für mich ein Paket entgegen. Auslandsversand. Er klebte und scannte und kassierte. Und dann machte ich den Fehler, zu fragen: „Geht das eigentlich per Luftpost?“

Nein, ging es nicht. Sollte es aber. Blöder Fehler. „Können wir die Luftpost nach buchen?“, fragte ich. Zweiter blöder Fehler, denn das ging natürlich auch nicht. Stattdessen erntete ich die Aussage. „Da kann ich jetzt nichts mehr machen.“ Aha. Und – dritte blöder Fehler – das sah ich nicht ein.

Hätte ich aber besser sollen. Denn jetzt drehte die Stimmungsdisko von Peter Kraus dem hartzigen gleich richtig auf. „Sie haben mir nicht gesagt, dass sie das per Luftpost verschicken wollen“, ranzte es von hinter dem Tresen. Und legte nach: „Sie haben ja sogar noch gefragt, wie lange es braucht, das Paket.“

„Gefragt habe ich, nachdem ich bezahlt habe. Allerdings hätten Sie auch fragen können, wie ich versenden möchte, schließlich bieten Sie hier einen Service an...“ – weiter kam ich nicht, denn Meister Hitzig brüllte mir quer durch den Satz: „Ich biete hier gar nichts an!“

Dem ist nicht zu widersprechen.



Menschenfreundliche Elektrohelferlein

Dass man mit mir rechnen kann, ist sicher dem einen oder anderen schon aufgefallen (s.u.). Und wie das Leben so spielt, findet sich schon wieder ein fantastisches Beispiel mustergültig-subversiver Logik vor meinen Augen ein:


Verkürztverlängert


Ich liebe Computer, die mir zeigen, dass ich auch als älterer Mensch doch noch nicht völlig auf das Abstellgleis gehöre, wenn ich nur die Augen offen halte. Und Sie?



Starrer Stand-Art

Wer sein Unternehmen liebt, der wirbt. Der verfasst Text und plaudert über alle Kanäle munter wie Gunter. Natürlich plaudert er auch mit seiner Agentur, wenn sie eine Website erstellt. Und damit die Deppen von Werbefuzzis nicht aus Dödeligkeit irgendwelche Texte ändern, schicken wir unsere heroische Selbstdarstellung selbsteredend als PDF. Dann machen die Webvögel bloß kurz Copy& Paste, und schon ist alles in Butter:


Standard-lösungen



Das nächste Mal sollte allerdings jemand daran denken, die automatische Silbentrennung auszuschalten. Sonst sorgt die Umsicht des Verfassers für ungewollte Aussagestärke.

(PS: Es heißt übrigens auch nicht Stand-Art-Lösung. Und Stand-up war das mit der Comedy ;-)



Falscher Ansatz

Es gibt Menschen, die auch im Guten nur das Schlechte erreichen. Beispiel gefällig?


Fuer_Afrika



Was mir dazu noch einfällt? So viel, dass ich der Lesefreundlichkeit Halber besser schreibe: „No comment (weil selbsterklärend)!“



Passwort Assofuck

Da sag noch mal einer, Computer hätten kein Eigenleben. Sie haben, und manchmal kann es sogar recht rüde sein. Wie hier zum Beispiel:


pwd_assofuck




Ich frage mich nur, woher mich dieser wildfremde Server so gut kannte...?




Mit uns können Sie zählen...

Es sind die kleinen Unaufmerksamkeiten, die das leben lebenswert machen. Und die einem zeigen, dass man doch noch nicht so blöde ist, wie einem missliebige Zeitgenossen gerne mal glauben machen wollen. Glauben Sie nicht? Machen Sie den Test:


aus 4 mach 5



Na? Und schon schmunzelt es sich wieder ein bisschen leichter, gell?



Der Sarg als Krisennagel

Die Wirtschaftskrise ist in aller Munde. Und in aller Blätter. Selbst in aller Läden scheint sie zu sein, zumindest in den USA. Denn da hat die Bild einen Riesenkrisenfund gemacht:

Krise- SärgeBeiWalMart


Ist es wirklich so schlimm? Muss der weltgrößte Einzelhändler jetzt schon für das eigenen Überleben vergrabbare Holzkisten veräußern?

Oder ist es nur ein konsequenter Dienst am Stammkunden, der vom ersten Babymilchpulver über Dosenwaren und Gefriergetrocknetes über sein Ableben hinaus sorgfältig, ertragssichernd und umfassend betreut werden soll?

Es darf spekuliert werden.



Rechnen mit der BILD

Eines der spöttischsten Print-Elemente in Deutschland ist ohne Zweifel die Bild. Wenn die Tagesschau eine Deutschlandfahne verdreht oder das ZDF Phishing mit Fisting verwechselt, sind die Sprachhüter und Volksaufklärer aus Berlin immer am Ball und verweisen als erste lautstark auf die Dummheit der anderen. Blöd nur, wenn sich dann nach dem Verfasser sogar der hauseigene Schlusslektor verrechnet:


Bild bildet - aber nicht in Mathematik


Diese Dummheit muss vermutlich nur passionierten Bildlesern mit einem IQ in der Nähe der Bogenzahl ihres Lieblingsaufklärungswerkes erläutert werden.



Selbstreferenziell?

Die beste Empfehlung ist ein guter Leumund. Helfen soll aber auch, sich in der Materie, mit der man sich befasst, gut auszukennen. Schließlich ist nichts peinlicher, als sich selbst ein Bein zu stellen.

Das gilt natürlich auch für Software und ihre Hersteller. Und hier verschärft für alles, womit der Kunde in Berührung kommt, denn da wird jeder Patzer registriert. Zum Beispiel dieser hier:


Fehler-Meldung eines Übersetzungspgoramms


Nun könnten Sie einwenden: "Mensch, reg dich nicht so auf, das ist ein kleiner Feler bei der Lokalisation." - "Das mag schon sein", werde ich erwidern, "aber diese Meldung gehört zu einem Übersetzungsprogramm!"

Und da bekommt solche ein Fensterchen einen ganz anderen Drive, nicht wa(h)r?



Alles-To-Go

Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Inzwischen gibt es alles „To-Go“: Coffee-To-Go, Tea-To-Go, Brötchen-To-Go, English-To-Go, TV-To-Go... - Google findet für den Eintrag „To-Go“ mal eben Ungefähr 391.000.000 Ergebnisse (0,26 Sekunden)“. Da wundert es nicht länger, dass jetzt auch solche Schildchen zu finden sind:


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Und ich dachte immer, der Liebe Gott sei sowieso immer und überall...


Presse-Freiheit

Viele Journalisten glauben ja nicht an die Mär, dass Journalismus von PR dominiert wird. Da können die Haller dieser Welt munter ihre Leipziger Studien veröffentlichen – der Journalist ist unabhängig. Er ist auch nicht käuflich. Denkt er.

Und dann schreibt ein Journalistchefredakteurherausgaberinpesonalunion:


Qualitätsjournalismus_4


Was sie genau so sehen, hatte er vorher schon verraten, allerdings verleiht das dem bisher gesagten eine leichte Wende:


Qualitätsjournalismus_2.pn1


Win-win? Der Mann meint doch nicht etwas die Bereicherung des Kenntnissstandes der geneigten Leserschaft zur Erhöhung des Vergnügens beim Studium der gewählten Fachzeitschrift und zur Bestätigung der Richtigkeit der Auswahl eben dieses Mediums der Kenntniserweiterung durch die gebotene Qualität seiner Artikel und Fachbeiträge? Nein nein. Er meint ganz prinzipiell und grundsätzlich:


Qualitätsjournalismus_3


„Sum, ergo sum!“ als Direktive? Oder: „Was soll der schnöde Inhalt, ich will lieber ein Heft!“? Oder ist es doch wieder anders, und es geht dem Laden so dreckig, dass sein Chef an gar nichts anderes mehr denken kann als an „finanzieren“? Es schaut fast so aus...




Wahlvereitelung (hausgemacht)

Jetzt ist Wahlkampf. Hektische Zeiten. Man muss schnell reagieren. Muss dabei souverän wirken. Sich wechselnden Winden anpassen. Und immer die richtige Botschaft liefern. Schnell. Sehr schnell. Zu schnell?


SPD-Plakat


Denn was, wenn keiner den fehlenden Doppelpunkt nebst An- und Abführung mitdenkt?

Dann bedankst sich die CDU.
Glückwunsch!



Link(e)liste

„Es gibt nicht viel, was man vermeiden sollte, außer Dummheiten“, sagte meine Großmutter immer und erwies sich damit als überraschend aufgeklärt für eine 80-jährige.

Als solche hätte sie gewiss auch nicht den Mut eines Immobilienmaklers gehabt, der aus einem Web-Baukasten ein interaktives Formular einfügte, damit Besucher dort ihre Web-Empfehlungen unterbringen können. Das Resultat:


Webtipps-kontrapduktiv



Oder war es gar keine Dummheit, und der Mann wollte lediglich den Leumund seines Gewerbes im Internet illustrieren? Was wiederum zu einem anderen Satz meiner lebensweisen Großmutter führt: „Die Welt ist voller Rätsel...“



Wussten Sie schon?

"Zum gelungenen Angrillen gehört neben Grillgut und Getränken auch das richtige Zubehör fürs Handy."

Das hat mir jetzt mein Handy-Carrier mitgeteilt, als Beilage zur Rechnung. Und er bot auch gleich mannigfach Hilfestellung an:

Damit das Angrillen besonders supergut klappt, gibt es 20 % Rabatt auf passendes Zubehör. Was man so zum Angrillen braucht? In jedem Fall Speicherkarten. Die sind nötig für Fotos. Für verrückte Videos mit der Freundin. Und für grenzenlos Musik. Welch werbetechnisches Wunderwerk...

Denn wie auf den angepriesenen 4 GB Flashspeicher grenzenlos Musik Platz findet, ist eines der großen Rätsel dieser Kampagne. Ein anderes ist immerhin implizit beantwortet: Die verrückten Videos mit der Freundin werden entstehen, weil bei der ganzen seitenfüllenden Verbalinkontinenz nicht auch nur ein einziger Grill vorkommt, auf dem anzugrillen wäre. Pech, liebe Bratwürstelbraut.

Immerhin gibt es als weiteres Grillzubehör auch Headsets, mit denen man Gäste zur Grillparty einladen kann. Und ich weiß auch, was ich denen erzählen würde: „Jungs, denkt an den Grill! Den gab es nicht im Handy-Grillshop meines Vertrauens.“



Doppelte Sicherheit

Die Rhetorik ist eine Kunst, die schon die alten Griechen beherrschten. Um sie zu Kategorisieren und dem Könner sein instinktiv überzeugendes Tun auch Begrifflich transparent zu machen, brachten sie zahlreiche wunderschöne Begriffe auf die Welt, zu denen beispielsweise das Hendyadioyn gehört.

Die Römer als erste historisch dokumentierte Copy&Paste-Gesellschaft übernahmen in grundsteinlegender „una faccia, una razza“-Mentalität zwar die kulturbringenden Bereicherungen der eroberten Nachbarn, umschrieben sie aber lieber mit eigenen Begriffen. Und so geschah, was geschehen musste: Das Hendiadioyn plumpste aus dem aktiven Sprachgebrauch und lebte allein als zartes Echo seiner selbst in der Tautologie weiter.

Die Tautologie hinwiederum durchschritt nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches den Sumpf des finsteren Mittelalters, um schließlich als weißer Schimmel im allgemeinen Sprachgebrauch wiederaufzuerstehen. Dort trabte das sprachbegabte Tier eine Weile durch die Dezennien, bis ihm der Nachjahrtausendwechsel Einhalt gebot. Der Nachjahrtausendwechsel?

Es stimmt, der Begriff ist zu unscharf. Genau genommen war es sogar noch ein paar Jahre später. Und es war auch nicht der gesamte Tag, sondern lediglich ein Minütchen im unendlichen Strom der stetigen Zeit, in dem sich eine über jeden Zweifel erhabene Institutionen der Kultur und Wahrheitsfindung anerbot, den neuen Begriff zu prägen, nach dem der Wandel der schnelllebigen Zeit so sehnsüchtig lechzte.

Mit dem Zeitstempel „09.03.2009    12:19 Uhr“ versehen, schrieb die Süddeutsche online über die Vorbereitung des neuen Weitsprungeuropameisters die fortan gültigen Worte


Bild 2



Nun ist es passiert: Der weiße Schimmel weicht der 60-Meter-Regel. Das Pferd wiehert vor Freude. Und auch ich hätte es nicht schöner sagen können.



Gewollte Wahrheit

Wichtig ist nicht, was sie wissen. Wichtig ist, was sie zu wissen glauben. - Das ist absurd? Mitnichten. Zum Beleg sei ein kurzes Telefonat wieder gegeben, dass ich jüngst führen durfte:

Lemmler


Was ist dem noch hinzu zu fügen? Dass Vorurteile stärker sind als aller Verstand?





Neu-Zeit

Bei Orwells Big Brother gab es Neusprech, die modifizierte Sprache des Machthabers für die optimierte Versprachlosigkeitung seiner Untertanen. Und auch andere Protagonisten mit Hang zum Krakentum scheinen offenbar von dem Virus infiziert, die Welt mit Änderungen und eigenen Strukturen versehen zu wollen. Zu den passenden Phänomenen gehört beispielsweise Neuzeit. Kennen Sie nicht? Sieht so aus:


newtime


Neuzeit ist homebaked by a big Softwarehaus von internationaler Bekanntheit und erschien in dem Instant-Messaging Client eines nicht ganz so großen gleichfalls international erkannten Softwarehauses. Drolliger Weise war diese Anzeige gegen 16.40 MEZ zu sehen und – ist es vielleicht schon die weit harmlosere Erklärung für das Phänomen? – an einem Freitag dem 13. Gestern, um genauer zu sein. Nur war da 2008, nicht mehr 1985. Und noch nicht 2085.

Allerdings, wenn Sie glauben, auch der Monat sei modifiziert, dann irren Sie. Ihr Kalender unterschlägt bloß seit Jahren konstant den Neuwember.




Gerne schwitzen

Bei manchen Verkaufstexten, die es zu lesen gibt, stellt sich die Frage: Plauderten da komplette Deppen oder dreiste Profis? Das gilt insbesondere dann, wenn die Macht des Doppeldeutigen robust zwischen Fehl- und Zieltritt pendelt:


Matratzen für Leute, die gerne schwitzen.



Sagen Sie es mir: Wie soll ich das jetzt verstehen? Schwitzen Sie gerne? Oder ist das eine neue Variante von „Sex sells“?



Neues wagen?

Neues Jahr, neues Glück: Das scheinen sich auch die Profis gedacht zu haben, die kürzlich für einen bekannten Softwarehersteller ein neues E-Mail Mailing zusammen würfelten:


quark



Es ist doch schön, wenn man ein Jahr NACH einer Neuerung über diese riesengroß und knallorange in Kenntnis gesetzt wird. Und die aktuelle Neuerung fitzelklein darunter ausgegraut ist.

Selbst wenn ich grundsätzlich die Mühen von Kollegen schätze, hier hilft mir kein auf- und abwaberndes „Begeisterung“ und auch kein Betreff „Wagen Sie 2009 etwas Neues“ – ich verzichte weiterhin auf solchen Quark.



Insel der Paradiesvögel

Gute Menschen sind gerne gut. Und Gutmenschen? Haben gelegentlich einen Impuls zu gütig grinsender Dummheit. Glauben Sie nicht? Schauen Sie selbst:



Spenden-Dummheit


„Lieber Regenwald, du musst jetzt ganz tapfer sein. Deine Schirmherrin kann zwar jede Menge Bücher verkaufen, aber verdient nicht genug, um für die Rettung einer der wertvollsten Regionen der Welt die fehlenden 164 Euro aufzubringen...“


Gute Eigen-PR sieht anders aus.




Invers Reisen

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erleben. Heißt es. Stimmt aber nicht. Schuld daran ist das Internet, und hier ein automatisiertes Auskunftssystem. Denn wo früher ein Mitarbeiter eines Reisebüros gewissenhaft Kataloge wälzte und Tabellen abglich, kümmert sich heute ein liebenswerter Bug um das Fortkommen des Reisewilligen:


Zeitverschiebung



Auch wenn das Projekt „Wien“ äußerst reizvoll war: Es mangelte mir am nötigen Können in der Handhabung inverser Zeit. Und so musste ich auf das wundersame Erlebnis eines Rückflugs vor Ankunft leider verzichten. Wie schade.




Bruderhilfe

In Zeiten der Krise soll man enger zusammen rücken. Das haben sich wohl auch die Recken des Marketings eines bekannten deutschen Automobil-Herstellers gedacht, als sie diese Anzeige kreierten:


bruderhilfe


Warum ich das denke? Seit einer Weile wirbt der von der aktuellen Finanzkrise arg gebeutelte amerikanische Automobilhersteller General Motors für einen Chevrolet, der
2010 mit Elektroantrieb auf den Markt kommen wird. Der Name des Wagens: Volt.

Möglich aber auch, dass dieses Plakat andeutet, was Volkswagen in Naher Zukunft plant. Den US-Markt aufzurollen. (Und dabei gleich noch ein paar Marken dazu kaufen?)



Update: Keogravieh

Geografie ist nicht einfach. Am 23. Juli 2007 berichtete ich unter dem Titel „Neue Länder gefunden“ über interessante Auswahlmenüs für die Bestimmung des eigenen Standortes, die allemal für einen Lacher gut waren.

Jetzt hat es der Unsinn aus der virtuellen in die reale Welt geschafft. Geburtshelferin ist eine grundschullehrerinnenhaft lächelnde Dame, deren Bild nebst Autsch-Zitat und dazu gehörigen Drumherum in der Süddeutschen zu finden ist. Was sie gesagt hat?


„Viele große Kleidungshersteller produzieren in Billiglohnländern wie
Asien, China, Bangladesch, El Salvador oder Osteuropa.“



Es ist immer wieder schön, etwas dazu zu lernen. Zumal von Grundschullehrerinnen. Meine ehemalige Grundschullehrerin sagte übrigens, nicht für die Schule, nein, für das Leben lernten wir. Blöd nur, dass sie versäumte, uns die Namen wichtiger Staatsoberhäupter einzubläuen. Wer mir fehlt?

Vielleicht der Asien-Vorsitzende Dumm Schnu-ra und Osteuropas Präsidentin Krystiane Weissnischwo?

Dieser Fehler ist auch deshalb so gravierend, weil Interviews vor der Veröffentlichung vom Interviewten frei gegeben werden müssen. Also hat die Dame ihren Fehler auch beim Kontrollgang übersehen. Übersehen hat ihn zudem der Redakteur und – falls vorhanden – der Lektor der Süddeutschen.

Spätestens dieser Lektor hätte als Sprachkundiger wissen müssen, dass es in etwa so heißt: „Viele große Kleidungshersteller produzieren in Billiglohnländern in Asien, Mittelamerika und Osteuropa, unter anderem in China, Bangladesch und El Salvador.“

Dass die geografische Unkenntnis oder aber die mangelhafte Befähigung zur sprachlich korrekten Darstellung geografischer Zusammenhängen bei dem Gespann System hat, untermauert die später folgende Passage:

„Nordrhein-Westfalen und die Gemeinde Neuss
ist als besonders engagiert hervorzuheben“.


Hier gibt es gleich zwei Fehler: Zum einen sind zwei Subjekte genannt, also muss es „sind“ heißen. Der geografisch-logische Fehler indes ist, dass Neuss in Nordrhein-Westfalen liegt. Daher muss es heißen: „Nordrhein-Westfalen und hier besonders die Gemeinde Neuss sind als besonders engagiert hervorzuheben.“

Da sag noch mal einer, Zeitung lesen bildet...


Honig-Husten

Sprache ist das zuverlässigste Mittel zur Übermittlung von Missverständnissen. Welche Wirkung unachtsame Kombinationen entfalten, zeigt das banale Beispiel Hustensaft:


honig-husten


Die Steigerung des Ganzen ist vermutlich ein Produkt mit dem Slogan „Reizhusten mit Honig“. Ergänzt um den Hinweis: „Anleitung zur holpernden Kommunikation“.



Locker

Skype ist ein tolles Tool für Instant-Messaging: Plattform übergreifend, flexibel, vielfältig, für Chat und Talk tauglich und leider etwas unsicher. Der Grad des Risikos orientiert sich natürlich am Grad des Bewusstseins des jeweiligen Nutzers. Doch bei der Datensicherheit beginnend, zäumen wird das Pferd eigentlich von hinten auf.

Das Thema Risiko befeuert schon viel früher, wer im Kontext professioneller Nutzung mit Unternehmens-Bezug das Wohl der Eigenpräsentation über das der Unternehmenspräsentation stellt. Und dabei die Wirkung der Metakommunikation übersieht:


locker



Was verraten und Bild und Text über die Nutzerin, deren Skype-Name auch ihre Firma mit einschließt? Vermutlich, dass sie blond ist. Und zwar in jeder Beziehung.


--


PS - Wie wir wissen, lässt sich das Gute immer verbessern. Zum Beispiel zum Feierabend:

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oder zu der Frage „Wie war gestern abend?“:

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oder zur Frage: „Was arbeitest du gerade?“

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(Das Buch ist übrigens von Donna Leon)

oder zur Frage „Hat’s der Chef schon gemerkt?“:

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Was zu der Erkenntnis führt:

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PPS - Vielleicht ist ihr aber auch – das Skype-Profil lässt es vermuten – lediglich ihr 9/11-Geburtstag nicht bekommen.




Austauschprogramm

Sprache ist ein zuverlässiger Helfer, wenn es darum geht, ungewollt Ungereimtheiten zu produzieren und sich und anderen mit minimalen Unachtsamkeiten gewaltig vor das Schienbein, wenn nicht in die Eingeweide nebst Gemächt zugleich zu treten.

Wie das funktioniert, hat jetzt ein deutscher Baumarkt präsentiert, der offenbar Wert auf die Farbe Orange legt:


baumarkt_negerheim



Was sich dort als erstes „e“ präsentiert, sollte eigentlich ein „a“ sein. Ist es aber nicht.

Bleibt zu hoffen, dass nicht gerade Mitarbeiter dieses Marktes in der Fernsehwerbung lauthals in den CI-Song eines gleichfalls Orange abonnierten Marktes einstimmen, der nach einer bekannten Queen-Melodie intoniert wird. Inhaltlich wäre das glatt „Sechs. Setzen.“



Grimms Märchen

Mit zunehmendem Alter neigt der Mensch dazu, sich vor den Unwägbarkeiten des Lebens gefeit zu fühlen. Weit gefehlt: Selbst die aus Kindertagen vertrauten und längst vergessenen Grimms Märchen tauchen unvermittelt in der Blüte der Midlifecrisis wieder auf, gleichfalls modifiziert, aber immer noch wirkmächtig. Und das geht so:

grimms_maerchen1


Das freut das PR-Treibendenherz: Jemand hat bei der Recherche festgestellt, dass er unbedingt noch in den Verteiler möchte, um immer up-to-date zu sein. Brav und professionell wird der Bitte Folge geleistet. Dummer Fehler - mit der folgenden Aussendung lacht laut der böse Wolf und beißt zu:


grimms_maerchen2


Zugegeben, die Idee ist im Kern gut: Informationen bekommt am leichtesten der, der sich um sie bemüht.

Wenn er allerdings mit Tricks arbeitet, klappt das nicht lange: Der Kontakt ist gelöscht, und das Portal ist gründlich diskreditiert. Glückwunsch!



Farben-Spiele

Farben bereichern das Leben. Machen den Alltag bunt und die Kleidung tragbar (zumindest in einigen Fällen), lassen einen das eigene Heim in der Masse analog gestalteter Individualbehausungen wieder erkennen und verraten einem unmittelbar, ob das Gegenüber die letzten Minuten zum Termin gehetzt ist oder nicht, ob es puterrot aufgeregt ist oder kreidebleich in Ehr- oder auch nur Furcht erstarrt.

Kein Wunder also, dass der Mensch nach Farbigkeit trachtet. Selbst in Texten sind Farben gewünscht. Und werden von Software angeboten, wenn auch nicht immer zwingend glücklich betitelt:


Farbe Banane
Gelb = Alles Banane?



Da rettet auch das sich anschließende „Lachs“ nebst „Melone“ und „Limone“ wenig. Was danach kommt? Sie ahnen es gewiss schon: „Himmel!“



L'arte de Rechtschreibung

Es ist erst wenige Tage her, da sprengte die unverrückbare Literaturkritikerikone Marcel Reich-Ranicki die Verleihungsfeiern zum Deutschen Fernsehpreis, indem er die Trophäe für sein Lebenswerk ablehnte und das deutsche Fernsehgeschehen in Bausch und Bogen verdammte. Bis auf das von ihm geschätzte arte-Programm, welches sich heute auf eine kulturerweiternde Form für dieses Lob aus höchstem Munde revanchierte und seine führende Rolle im bundesdeutschen Programmgeschehen eindrucksvoll untermauerte:

Bild 1
arte: Reformierte Rechtsschreibung

Wer genau an der Gepsrächsrunde teilnahm – wir wissen es nicht. Gleichfalls wissen wir nicht mit Gewissheit zu sagen, ob nun die Damen und Herren arte höchstselbst oder lediglich ein Gelegeheitstipper in einer der vielen ruchbaren Fernsehprogrammschnellerfassungsbuden à la tvtv die Feder führte resp. sich verirrtippte. Aber als kleiner Spaß am Rande reicht es allemal.



Missing "w"

Umsatz schützt vor Torheit nicht:

sennheiser_resistent
Auto-comment: Selten so geglückt.


Dass jemand seine eigene Arbeit in der Öffentlichkeit gleich passend kommentiert...



Gehören Frauen ghettoisiert?

Frauen sind zu ghettoisieren. Jedenfalls meint das ein Fördertopf der EU. Und einige Frauen, die sich aus dem selben füttern lassen:

frauen foerderung
Bitte nicht helfen: EU-Richtlinien zur Frauenförderung.

Der Hintergrund: Ich wollte einen Büroraum vermieten und schrieb das auch in eine Online-Börse für Frauen. Aber das Angebot dürfen die raumsuchenden Frauen nicht wissen. Denn ohne Doppel-X-Chromosom falle ich als anbietender Nutzer der Kontaktbörse nicht in die EU-Förderrichtlinien. Was im Umkehrschluss bedeutet: Hier dürfen EU gefördert nur Frauen für Frauen sinnvolle und hilfreiche Angebote machen. Willkommen im EU-geförderten Online-Ghetto.

Welche politische Motivation dabei eine Rolle spielt, die Kommunikation zwischen den Geschlechtern Fördertopf-flankiert zu behindern, möchte ich gar nicht diskutieren. Aber dass Frauen das akzeptieren, um an Geld für Ihre Arbeit zu kommen, stimmt mich doch verwundert.



Zweifelsfrei: Behindert

Es gibt Tage, an denen niedrig auflösende Handy-Cams verflucht sein sollten

Und es gibt wenige Bilder, die Wirklichkeit abbilden und in ihrer Komposition alles sagen. Dieses gehört dazu:

S-Klasse braucht zwei Behindertenparkplätze
Es kann nur einen geben: Super Sterni.


Besonderes Lob verdient die Blockade gleich zweier Behindertenparkplätze. Das "S" in der Typen-Bezeichnung des Fahrzeugs steht wahrscheinlich für „Supertyp“.



Eierlegende Wollmilchsau

Bilder sagen mehr als tausend Worte. Heißt es. Und es stimmt: Manche Bilder sind wahre Plappertaschen. Zum Beispiel dieses:

webcam 3in1

Geklappt: Aus drei mach eins.


Für was es wirbt? Vordergründig für eine Webcam. Aber haben Sie sich den Monitor genau angesehen?

Getrau dem Motto "Ich zeige, was ich liebe" hat der Fotograf Apple und Canon gleich mit in Szene gesetzt.

So funktioniert virales Marketing...



Für Stunden Vista

Ich weiß: Mac-User sind arrogante Säcke, die keine Ahnung vom Innenleben Ihrer Designkisten haben und nach ein paar Mausklicks vor allem über Windoofs herziehen. Stimmt nicht. Denn seit Vista macht das Windows allein:

Vista upgrade - Stunden später
Stundenupdate: Rechenknecht für mehr Transluzenz.

Die unauffällige Fussnote hat ihren Charme. Und sie trifft zu.

Wenn Sie also die Tage mal ein paar Stunden Ihren Rechner nicht brauchen, spielen Sie doch einfach Vista auf. Ich habe für die Migration von XP SP2 auf Vista Ultimate kaum einen halben Arbeitstag benötigt. Das schafft kein Mac :-)




Für Kunden auf die Ohren

Besonders schön ist es, wenn einen jemand vor Dummheiten schützt und vor Ungemach rechtzeitig mahnt.

HP schwingt sich – vom Verkaufserfolg beflügelt – nun offenbar auf, auch sprachlich ein Trendsetter zu werden:


HP_Mahnung
Mahnung über Produktunterstützung?


Wenn die Lokalisierung des zweiten Spiegelstrichs stimmt, vergreift sich der Service vermutlich im Ton. Dumm nur, dass HP die Kunden abhanden kommen, wenn das Unternehmen damit Ernst macht...



Neue Länder gefunden

Seit Kolumbus hat sich vieles geändert. Sollte man glauben. Aber es gibt immer noch neues zu entdecken – sogar Länder. Und daran ist nicht ein weiterer gefallener Eisener Vorhang schuld, sondern das Internet. Respektive irgend ein Copy&Paste Schlauberger:

Asien - Das Land meiner Träume.
Asien - Das Land meiner Träume.


Ich weiß schon jetzt, wo ich meinen nächsten Urlaub mache. Wie wär's mit Erdkundien?



Mein Lieblings-Postbote

Die Post will's wissen: Wer ist mein Lieblingspostbote? Nett, dass sie nachfragt, aber antworten? Das ist nicht leicht:

Möchte ich den, der montags alle Klingeln durchdrückt, aber nie antwortet, wenn man endlich an der Türsprechanlage ankommt?

Möchte ich den, der dienstags die großen Sendungen auch in den kleinsten Kasten hineingeprummelt bekommt?

Möchte ich die, die mittwochs schon um 10.15 die Post bringt und nicht erst gegen 13 Uhr?

Möchte ich den, der donnerstags erstaunt in seine Tasche guckt und sagt: Da hat die Kollegin Ihr Haus nicht eingepackt?

Möchte ich den, der freitags auch mal alle Briefe für das Haus in einen Kasten wirft und das Gespräch mit den Nachbarn fördert?

Möchte ich den, der sonnabends immer die Werbung bringt, auch wenn sonst keine Post zuzustellen ist?



Ein Herr von Briefträgern.
Ein ganzes Heer, doch wen nehmen?



Die Wahl ist leicht:
Ich nehme die Dicke von der Citypost!

Die klingelt zuverlässig gegen 9, prummelt nix in den Kasten, grummelt nix,sondern antwortet grundsätzlich, wenn sie geklingelt hat. Sogar mit "Guten Morgen, Citypost. Ich möchte Ihre Post zustellen."

Dann drück noch mal schön die Schulbank, Deutsche Post.



Nix los

Manche Bilder sprechen für sich. Sagte ich das schon mal? Dann entschuldigen Sie die Wiederholung. Allerdings: Das Bild ist neu:


nix los
Mikrofon ohne Ton: Die Post informiert die Presse.


Keiner da, liebe Post? Dann war's wohl nicht so wichtig.

(Oder gibt's 'nen Maulkorb, so intern, ganz insgeheim?)



Modische Mode

Es gibt Momente im Leben, die sind von einer solch erhellenden Qualität, dass man sie nicht seinen nächsten vorenthalten sollte.

Ein Exemplum jener Spezies glücksverheissender Boten erlangte heute meine ungeteilte Aufmerksamkeit Dank seiner unzweifelhaften argumentatorischen Qualität:


"30% auf unsere modischen Sommermoden"


stand da zu lesen. Wonne durchflutet das dürstende Herz. Was gibt es dem noch hinzuzufügen?

Vielleicht die Frage, wie hoch der Rabatt auf die unmodische Sommermode wäre?



Sind Sie b(e)reit?

Vista is da! Und weil jeder Early Adopter von besonders umfänglichen Margen träumen darf, hängen viele flugs Ihr Vista-Fähnlein heraus.

Natürlich wissen die Werbeschaffenden: Bilder mehr sagen, als 1000 Worte. Und sie wissen: Chic zieht besser. Und stellen als Resultat die Frage:


Vista_goes-Mac
Zentrale Frage: Seit ihr b(e)reit?


Ihr schon?
Ein Wunder von wahrhaft prophetischen Ausmaßen!

Denn was das Bild zeigt, funktioniert nur, wenn auf dem abgebildeten Apple 12" PowerBook die Software Parallels Desktop installiert ist. Das könnte etwas dauern: Parallels läuft nur auf den neuen Apple MacBooks mit Intel-Chipsatz. Das ältere PowerBook arbeitet mit einem Vista-inkompatiblen IBM G4 Prozessor.

Glückwunsch, Jungs!



Zielgruppenfreie Kommunikation

Kennen Sie ihn auch schon? Den winselfreien Robodog aus der Ford-Werbung? Das ist ein begossener Elektropudel ohne Locken, dessen wesentliche Aufgabe darin besteht... - ja, worin eigentlich?


der robodog - von ford im regen stehen gelassen
Ohne? Zielgruppe, vermutlich.


Wohlmöglich ist mit den millionengesättigten Werbebastlern der Spieltrieb durchgegangen. Das zu belegen genügt die Kurzanalyse des sympathischen Antitypen, der die Kernbotschaft "Hund dumm - Auto gut" transportieren soll:

_ Der Robodog ist ein Aibo in teiltransparent.
_ Zielgruppe: 10 jährige Jungen (die nicht Auto fahren dürfen)

_ Der Robodog ist ein elektronisches Spielzeug.
_ Zielgruppe: Männer um die 30 (die keinen Fiesta fahren wollen)

_ Der Robodog ist ein elektrischer Hund.
_ Zielgruppe: Tierschützer (im Cyperspace)

_ Der Robodog ist ein putziger Verlierer.
_ Zielgruppe: mütterliche Frauen (die mit dem Hund fühlen -
_ und das beworbene Produkt aus Solidarität ablehnen)

Keimt bei noch jemandem die Vermutung auf, die Fiesta-Werbung ist mit dem aus Autoreparaturwerkstätten überlieferten Schmähnamen des beworbenen Wagens zu apostrophieren – Fiasko?

Ich wende den Blick ford.



The Colour Of Ideas

Falls jemand noch nicht begriffen hat, warum Marketing-Experten E-Mails ohne Bilder empfehlen, sei statt langer Statements dieser Screenshot empfohlen:


colour_of_ideas
Mail mit marginalem Inhalt - HTML und Bilder machen's möglich.


Da nutzt auch der freudige Mail-Betreff "Colour of Ideas" nichts – wo keine Bildanzeige eingeschaltet ist, muss die Info leider draußen bleiben. Aber Weltkonzerne können sich das ja leisten...




Konditor Sparsam

Das muss man den Ösis schon lassen: Als Schwaben wären sie auch nicht schlecht. Jedenfalls die Meisterkonditoren der Zuckerbäckerei Demel. Damit das lecker Zuckergebäck nicht allein der Wiener Kaffeehauskultur im eigenen Lädchen vorbehalten bleibt, kann der geneigte Gourmet Gugelhupf und Mohnbeugel auch im Online-Shop ordern:


Der Demel
Freeware goes CakeCommerce: Der Demel loves xt:


Dass der Demel dabei ganz aufrichtig und ehrlich outet, dass sein Link-Laden mit sündteuern Torten auf Basis von Freeware läuft, ehrt ihn, macht aber auch seinem Namen alle Ehre: Als Demel bezeichneten wir in Kindertagen einen ausgesprochenen Dummkopf.





Jahresplanung, bitte!

Schön ist es für Veranstalter, wenn sie schon ganz früh wissen, was auf sie zukommt. Manche erweisen sich dabei aber als überraschend ehrgeizig:


Akkreditierung
Extrem-Frühbucher erwünscht.


Mehr als ein Jahr im Voraus die "Online-Akkredition" zur Akkreditierung ausfüllen müssen? Da ist sicher mehr als eine Sache schief gegangen.




Mailing-Ass

Es gibt sie noch, die Helden der Arbeit. Jüngst erhielt ich ein Zeugnis ihres Tuns, im Sichtfenster eines Din C6 Umschlags. Und darin sah es ungefähr so aus:

-------------------------------------Mailing-Spezialisten - Hierstrasse 1a - 43210 Reinfall
-------------------------------------Die Alte Firma GmbH
-------------------------------------Herr Heinz Mustermann
-------------------------------------In der neuen Strasse 11
-------------------------------------12345 Neuesheim

"Cool!", dachte ich (inklusive Ausrufezeichen). "Die kennen mich noch!" Und: "Aber nur zur Hälfte."

Denn bei Die Alte Firma arbeite ich schon lange nicht mehr. Ungefähr so lange, wie sie mir keine Post geschickt haben. Aber ein Zufall hat ihnen offenbar zur neuen Adresse verholfen. Folglich erhalte ich wieder Post.

Dumm nur, dass die Mailing-Spezialisten nicht vermögen, zu einer neuen Adresse eine korrekte Firmierung zu verifizieren. Das hätte uns allen diesen Blog-Eintrag erspart.




Der König ist tot

Im falschen Moment auf den Auslöser gedrückt, und schon ist es passiert:


toter_koenig3
Wissen doch alle: Rauchen setzt matt, Herr König!


Da liegt er nun. Tot. Und während die Schuldige lässig an der himmlisch gebläuten Schachtel lehnt, sinniert ein flatterndes Banner über den Wert.

Nicht über den des Gemeuchelten selbst, nein. Über den des Honorars, das der Werbegestalter höchstens hätte kassiert haben sollen für den schlauen Trick, den Merksatz zu kaschieren. Was für ein Zauber der Illustration.



Frisuren-Vogel

Wir kennen es – die gelungene Text-Bild-Sprache ist ein wesentlicher Aspekt erfolgreicher Werbe-Kommunikation. Was aber wenn:


frisuren-vogel
Hingucker: Von oben nach unten funktioniert nicht immer.


Zugegeben: Es ist eine Frage der Präferenzen. Wer als erstes nicht den untersten Titel liest, sondern den obersten, verpasst die wichtige Nachricht. Dafür hat er was zu lachen.

(Hat jemand dafür Geld bezahlt?)



Professionell verkaufen

Das professionelle Verkaufsgespräch zeichnet sich dadurch aus, dass man dem Kunden das Denken abnimmt und ihn zu spontanen Entscheidungen ermutigt, über deren Existenz ihm vor Sekunden noch gar nichts bewusst war. Zum Beispiel, sich einen Anteil an einem Ferienresort auf einer Spanischen Insel zu kaufen. Für minimal 15.000 EUR Grundeinlage und 700 EUR p.a. für 1 Woche Dauerfun, en bloc und pro Jahr, versteht sich.

Das professionelle Verkaufsgespräch zeichnet sich dadurch aus, dass der Kunde bei allen Versuchen, sich ablenken zu lassen, immer wieder durch Rückfragen am Ball gehalten oder zu ihm zurückgeführt wird: "Was denken Sie, Frau X?" - "Und Sie, Herr X? - ... - Herr X? - ... - Entschuldigen Sie? Herr X? - ... - Noch einen Kaffee?"

Das professionelle Verkaufsgespräch zeichent sich dadurch aus, dass der Verkäufer als Mensch rüber kommt: "Da habe ich dann einen Infarkt hingelegt, der hat sich gewaschen. Und da habe ich mir gesagt, ich brenne doch nicht im Job für eine anonyme, riesige Firma aus und mache mir meine Gesundheit kaputt. Und bin hier her gekommen, und genieße die Sonne und plaudere mit netten Menschen." Danke, er hat's gemerkt!

Das professionelle Verkaugsgespräch zeichent sich dadurch aus, dass der Verkäufer alles Eigeninteresse leugnet: "Für uns ist das offen: Sie unterschreiben und genießen die Vorzüge unseres Angesbots. Oder Sie machen einfach ein paar Tage schönen Urlaub. Das einzige, was zählt, ist, dass Sie sich sicher sind, dass Sie das möchten." Was? Na, meine Provision berappen, betäubtes Schaf.

Das professionelle Verkaufsgespräch zeichnet sich dadurch aus, dass der Verkäufer den Kunden bei Laune hält: "Ihr Kind ist sehr klug." Perfekt nach erstem Krickelkrackel auf den Vertragsunterlagen. "Sie verstehen das System perfekt, das spricht für Sie". Perfekt nach der Anmerkung, das Angebot sei ein Schnäppchen. "Sie unterstreichen damit Ihr Prestige". Perfekt zu ungeputzten Schuhen. Die absolute Überraschung aber ist: "Ich spüre das ganz deutlich: Sie passen hier perfekt hinein!"

Das professionelle Verkaufsgespräch zeichent sich also dadurch aus, dass man schon vorher weiß, was man hinterher erlebt haben wird. Die Überraschung ist der Weg, auf dem man verführt werden soll.

Aber woran soll ein Blinder erkennen, dass ich mit fremden Männern nicht ins Bett gehe?




Die Bahn goes IT

Wer glaubt, Online-Ticketing mit der Bahn sei moderne Technik, der irrt gewaltig. Denn hinter der Fassade funktionsreicher Onlineportale und einfacher Buchung von Zugfahrten lauert der behäbige, alte Schaffner von Sankt Bürokratius.

Denn wer sein Online-Ticket gebucht hat, muss es ausdrucken, damit es gültig ist.Das steht zum Beispiel auf dem PDF, sobald es lokal gespeichert ist. Aber auch erst dann. Wer es nicht ausdruckt, hat – für die Fahrt München-Hannover zum Beispiel eine 55 Euro teure – Datenleiche im Speicher. Und das geht so:

"Die Fahrkarten bitte." – "Ich habe sie gerade online gebucht und keinen Ausdruck, sondern nur das PDF auf dem Monitor hier." – "Das kann ich leider nicht akzeptieren, da müssen Sie nachlösen." – "Können Sie das nicht vom Bildschirm scannen?" – "Scannen kann ich es schon (probiert es, Gerät quittiert das PDF als gültig) – ich kann es so aber nicht stempeln."

Resultat: Online-Ticket bezahlt, Nachlöser-Ticket auch bezahlt, obwohl das Online-Ticket prinzipiell funktioniert. Das ist Nepp.

Was man daraus lernen kann? Trau keinem EDV-Ticket. Und wenn ich das nächste mal im Bus fahre, nehme ich sicher kein Handy-Ticket. Denn wenn ich das Handy nicht danach in den Stempelautomaten zwänge, zahle ich bestimmt 40 Euro für Schwarzfahren.


Online-Ticket
Strassenraub auf Schienen: Dieses Ticket ist ungültig, obwohl es gescannt werden kann...




Blöde Tage

Es gibt sie, die blöden Tage. Die Tage, an denen es nichts zu meckern gibt. Gar nichts. Keine schlechte Werbung. Kein missratenes Foto. Keine komische Aussage. Oder einfach nur zu viel Arbeit, um noch neben die Innenwelt zu gucken.

Also will ich auch nicht über die Bewerbung spotten, die heute bei mir eintrudelte: Eloquent, interessant, attraktiv, dieser Mensch. Er vermochte sich und seine Leistungen gut darzustellen. Nur zwei Dinge irritierten mich:

_ Natürlich ist eine Bewerbung ein Werbeanschreiben. Aber trotzdem könnte es lohnen, vorsichtig mit den Techniken des Werbemailings umzugehen.

_ Es ist ein Zeichen von Einsatz, dass sich jemand die Mühe macht, sich selber auf blauen Dunst in 80 Zeilen zu schildern. Aber auf Nummer sicher zu gehen, wäre viel einfacher - und wird in jedem Bewerbungsratgeber empfohlen: Kurz mal anrufen.

Dann hätte ich gleich sagen könnnen, dass in einem 1-Personen-Unternehmen kein Platz ist für zwei. Leider. Sehr leider.

Noch.



Spam für Anfänger

Wenn man nach einigen Tagen der Abwesenheit an seinen Schreibtisch zurückkehrt, ist das fast wie Weihnachten: Ganz viele Geschenke im E-Mail Postfach, und das meiste davon ist Müll.

Aber der Viagra-, Date-me- und Pornomäuschen-Müll hat auch humorige Seiten. Wie wäre es mit diesem Beispiel:


Spam_fuer_Anfaenger
Hüh-Hott-Kommunikation à la Spam.

Zu des Verfassers Glück ist die Spam-Mail nicht mit seinem Klarnamen signiert. Denn schon eine kurze Inhaltsanalyse der beiden hauptbestimmenden Komponenten "Mahnung" und "gewonnen" hätte ausgereicht, den Seppelhut an ihm vorbei zu mogeln.

Stattdessen untermauert er nun profund den Lieblingssatz meines alten Deutschlehrers selig: Erst denken, dann schreiben.





Klein. Stark.Schwarz.

Eine gute Betriebsanleitung zeichet sich dadurch aus, dass sie den Anwender eines Produktes dazu verleitet, nachzudenken. Das dachte sich auch HP und legte seinem Offiejet 4300 All-in-One eine planvoll erstellte und reichhaltig bebilderte Papierhilfe bei. Zudem waren die Techniker pfiffig und programmierten ihrer Druck-Fax-Scan-Kombi eine Hilfsanzeige für das Display mit ein. Nutzt bloß nix.

"Papierstau bitte beseitigen", behauptet das Gerät sofort nach dem ersten Einschalten. Da lag das Papier noch in seiner Verpackung. Was auch gut so war, denn ich wollte die Druckerpatronen einsetzen. Deren Transportwagen hängte aber fest. Warum?

"Entfernen Sie sämtliches Verpackungsmaterial" riet die Anleitung - und siehe da, in Innern des Papierfaches war als Transportischerung ein gefalteter Kartonstreifen versteckt. Ein Mann, ein Griff, schon war der Störenfried beseitigt. Einschalten, Transportwagen startet. "Klacker". Geht nicht.

Noch mal in die Anleitung schauen. Nichts. Im Handbuch nachlesen. Nichts. Am Transportwagen zupfen. Nichts. Laut schreien. Nichts. Und dann... – Kaffee trinken. Die Zeit mit der Tasse in der Hand bringt den entscheidenden Impuls: Nachdenken. Das führt zu Nachgucken. Und das führt zum entscheiden Resultat: Entdecken.

Nämlich einen Sicherungsklammer, die auf der Laufstange des Transportwagen aufgesteckt ist. Klein, stark, schwarz. Und nirgend dokumentiert.

Was die Frage aufwirft: Was bedeutet HP? Vielleicht: Haste Pfertich?



Ökowein 1: Nur die Liebe zählt!

Rot muss sie sein, die Liebe. Wie roter Wein. Daher eignet sich das Pärchen auch prima für Zusammenschlüsse. (Eine mögliche aphrodisierende Wirkung bei manchem Konsumenten wird hierbei billigend in Kauf genommen).

Wie schön sich Wein und Liebe paaren lassen, wissen am besten – natürlich – die Italiener. "Ti amo, Chianto?" Nicht ganz:

Checchi Info

Bio, echt Bio! Das ist der Schlüssel zum Glück. Warum, das erklärt die Rückseite der Banderole meines heute erstandenen Fläschchens: "Produkt aus biologisch angebauten Trauben. Aus Liebe zu den Pflanzen, der Erde und dem Menschen."

Fragt sich nur, zu welchem genau.




Gummibärchen

Gummibärchen sind toll für die Kundenbindung. Das stimmt, denn alle großen machen es: Die Post. Die Deutsche Bank. Die Telekom. Alle organisieren behelfs kleiner Tütchen Ihre Kundenbindung. Auch die zukünftige. Denn die Gummibärchenkunden sind nicht nur untersetzte Männer der Generation Golf Plus. Nönö.

Natürlich sind die Kampagnen-Götter klug und wissen, dass ein Bärchen allein noch keinen Umsatzsommer macht. Prompt haben sie die Vorderseiten der Bärchen-Tütchen CI-t und die Rückseiten mit Sinnsprüchen versehen.

"Vielen Dank für Ihre Geduld" textet die Post prophylaktisch. Sie wähnt sich in dem Wahn, sie sei die Deutsch Bahn? Eventuell.

Aber den Titel holt auch dieses Mal die Deutsche Bank, nie verlegen, wenn es darum geht, einen Fettnapf zu betreten: "Kinder sind Zukunft" steht da. Aha. Weil das so ist, tun wir schon mal umsichtig einen Extra-Schuss Glucose in die hierdurch bald entzahnten Zukunftszwerge? Oder soll die Zukunft einfach nur schön dick und rund werden? Na dann:

Vielen Dank, Deutsche Bank.



Domina

Der Alltag eines Journalisten ist geprägt von mannigfaltigen Eindrücken, die das Leben bereichern, den Humor herausfordern oder einfach einfach einfach sind. Manchmal zwingen sie aber auch, selbst zu urteilen:


USB_Domina_rot_Laptop
Eindringlich: Domina, Herrin der Bits.



Domina heißt dieser neue USB-Stick, den es in den Farbvarianten Erdbeer/Klavierlack, Haut/Unschuld und Finster/Engelweiß gibt. Gefertigt aus glänzendem Gummi, läßt sich die Königin der Qualen jederzeit genüsslich und beliebig lange an ihrem eigenen Bändchen aufhängen. Falls man sie nicht lieber irgendwo hinsteckt: In die Hose. In die Tasche. In den PC.

Womit wir wieder beim Thema wären: Schließlich sind Dominas gummierte Tanten mit Peitsche, die maximal eben jene Peitsche ihrem gepeinigten Liebesbedienten ins Rektrum applizieren. Falls Sie überhaupt irgendwas stecken. Und so führt dieses Memorandum an die Kulturgeschichte der Prostitution lattenglatt zu der Frage: Ist der PC ein Arsch?

(Und falls nicht: Ist der Designer eine Dummina?)



Ey, Sie, ey!

Das super total krass coole Beispiel für fette Zielgruppen-Kommunikation kriegte ich jetzt in die Mailbox gespült:


So-nie-Eriks-sohn
Besser: So nie, Eriks Sohn.


Dächer sind nicht nur für Gärten geeignet, titelte die Werbeagentur. Und dann:

"Vergessen Sie Sand, vergessen Sie Gras – in diesem Jahr geht die heißestes Tennisaction auf dem glühenden Teer über den Dächern der Stadt ab. Unglaubliche Ballwechsel erwarten Sie, totale Blindgänger werden zu unerreichbaren Returns..."

Echt großes Tennis, Jungs! Nur:

Wen meint ihr eigentlich? Die "Sie"s dieser Welt, die man besser nicht mit "boah, ey" anredet? Oder die "Du"s, die durch die Welt hip-hoppen und glauben, alle Texte, die sie mit "Sie" anreden, sind vom Finanzamt oder von der Polizei? Oder meint ihr eure Auftraggeber, die jenseits der 60 noch mal unbedingt was mit Zeitgeist haben wollten?

Das jedenfalls hat geklappt: Unglaubliche Verwechsel! Sagenhafte Rebounds! Unerreichbar totale Blindgänger.

Da möchte man das Gras lieber doch nicht vergessen...



e-plus im Minus

Geld sparen ist toll. Das haben sich auch die Marketingfüchse bei e-plus gedacht und meiner jüngsten Telefonrechnung ein Infoblatt beigelegt, das geringere Roaminggebühren verheißt, falls ich ins Ausland verreise. Das Angebot gilt sogar schon von sehr früh im Juli bis spät in den September. Hurra!

Doch nicht?

Leider endet die Info hier nicht. Stattdessen erfährt man: Um in den Genuss des Services zu kommen, ist eine vorherige Anmeldung notwendig.

Nicht doch!

Ende des Montas die Info zu versenden, dass man seit Anfang des Monats Geld sparen kann, wenn man sich vorher dafür anmeldet, ist wenig lauter. Und auch wenn mir noch 6 Wochen bleiben: 4 sind schon im Off verpufft. Und meine gute Anfangslaune auch.

Bei wie vielen Kunden noch?



e-plus_Sommerspecial
Sonnige Aussichten - aber nur bis zum blauen Kasten.






Tante Emma

Es gibt Momente, die erhellen einem der Tag mit äußerst befruchtenden Weisheiten. Jüngst beispielsweise las ich in einer Fachpublikation, dass der Erfolg der Tante Emma Läden insbesondere darin begründet lag, dass es eine hohe Kundenkenntnis gab und daher ein präziser, punktgenauer Service geboten werden konnte. Das hatte ich auch schon bemerkt:

Sonnabends morgens, wenn ich es mit Mühe und Not so gegen 8 aus dem Bett geschafft hatte, war die Schlage vor Tante Emma schon wieder sommerurlaubautobahnstaulang. Die Stadt musste jährlich zwei Mal die Gehwegplatten wegen Verschleisses austauschen.

Drinnen im Geschäft herrschte die angenehme Wärme eines Saunariums. Die schlohweisse Tante Emma huschte hinter ihrer Theke emsig hin und her und befragt zur Ergründung der regulären Kundenwünsche einfach ihr Memoriervermögen. Den Rest las sie dem Kunden aus der Hand.

Diese wankten nach erfolgreichem Beutezug mit Tüten und Taschen schwer bepackt aus dem kleinen Laden, der infolge des immensen Erfolges seiner Marketingstrategie massiv expandieren konnte.

Die glückliche Lage der sich sukzessive etablierenden Marktdominanz ermöglichte es Tante Emma immer öfter, die Preise massiv zu senken. Das Resultat:

Tante Emma ist infolge der immer längeren Wege hinter ihrer Theke heute hagelspargeldürr.

Die Stadt hat gestern begonnen, die Fahrstreifen vor unserem Haus zu verbreitern, damit noch mehr Kunden ungehindert zu Tante Emma gelangen.

Und Tante Emma hat unser Haus gekauft und wird es demnächst abreissen lassen. Für weitere Parkplätze. Denn:

Die Parkhäuser auf der grünen Wiese sind zu lange schon brechend voll.



Weitraumkommunikation

Mancher kommt im Umkehrschluss von René Descartes Cogito, ergo sum zu der Überzeugung Non meum audio, ergo mortuus sum*. Kann man glauben. Geht aber viel schlimmer.

Dem Phänomen der Dauerbeschallung weit überlegen ist die Unsitte der Weitraumkommunikation, vulgo: Gebrüll.

Zumal mit Mikro in der Hand, kennt mancher keine Bremse mehr: SONDERANGEOT, NUR HIER, NUR HEUTE, NUR FÜR SIE, NEU EIN EUROOO, schallt es dachabdeckend aus mannshohen Lautsprecherstapeln, die wie Straßensperren um einen wackeligen, mit Billiguhren, Wegwerfschmuck und Ruckzuckallessauber-Schwämmchen überfüllten Klapptisch gruppiert sind.

Wer kauft?

Kaum einer. Denn die Schallwellen pumpen die Massen zurück und hertzen gereiftes Kundenpotenzial an den Rand des Infarkts. Fährt doch der Lautsprecher nur selten seine Phon herunter, um einem von der vorbeidrängenden Masse an den Tisch Gepressten die Intimität eines persönlichen Verkaufsgesprächs zu gönnen.

Lieber lässt er im Bewusstsein seines aussichtslosen Tuns das Mikro an Mann und bejubelt seine Ausleg-Ware non-stop mit Banalfloskeln im Überschall. Doch für alles gibt es die Quittung. Hier:

Viel Dummheit belohnt eine Pleite.


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*Cogito, erso sum. – Ich denke, also bin ich.
Non meum audio, ergo mortuus sum. – Ich höre mich nicht, also bin ich tot.





My CI - immer dabei!

Wer seine Firma liebt, schenkt ihr eine Corporate Identity. Mit der kann man allerlei anfangen: Briefköpfe gestalten, Autos erkennbar machen, Schaufenster vereinheitlichen, Produkte kennzeichnen oder Anzeigen charakterisieren.

Man kann damit sogar an Orten werben, an denen das eigentlich nicht vorgesehen ist. Wie ein hiesiger Unternehmer:

Fiene_Grabstein_2
Zusatz-Botschaft: Die Firma ist alles. Der einzelne nichts.







Wissen ist käuflich

Wissen ist käuflich. Das wissen wir. Und manchmal finden wir es sogar plakatiert. Zum Beispiel durch Kultusministerien:


Wissen ist käuflich_Englisch
Nichts riskiert: Ads on the rod (so ungefähr)


Lieber Autor,
eigene Schulbücher wirken schneller. Das stimmt. Aber nur, wenn man in die Dinger auch mal reinschaut! Das hat hier wohl jemand versäumt. Er hat nicht mal AUF sein Buch geschaut. Und auch nicht auf die Bücher seiner Klassenkameraden. Dann wäre ihm aufgefallen, dass Englisch lernen bei Englisch-Büchern immer schon ganz weit vorne anfängt: Auf dem Umschlag. Da nämlich steht bei Englisch-Büchern "English".

Was lernen wir daraus?

Wissen ist käuflich. Aber nicht billig.




Supertotalwichtig, Hey!

Zielgruppen-desorientierte Drückerkolonnen gibt es nicht nur an der Haustür. Die Gattung wirrwuseliger Verkaufswichtel findet sich auch hellichten Tags in der Fußgängerzone, bewaffnet mit Tapeziertisch, farbigem Kopierpapier und einer schier überbordenden Menge positiver Energie. Besonders engagierte Exemplare sind weiblich, um die 20, tragen Brille und widmen ihr Leben – dem Tierschutz!

"HALT! Es ist TOTAL WICHTIG!" Plötzlich steht eine Mischung aus Hampel- und Ampelmännchen vor uns, mit ausgebreiteten Armen und einem Lächeln im Gesicht, als sei es mit zwei Angelhaken geliftet. Das Kind – völlig konsterniert: "Was macht die Tante da?" Ich, noch dabei, mein Gleichgewicht wieder zu finden: "Erstaunlich laut im Weg stehen."

Kurzer Schwenk nach rechts und wir haben die Dame umrundet. Haben wir gedacht. Da fliegt schon ihr schwarzes T-Shirt an uns vorüber, bremst uns erneut aus und sagt: "Halt! Hier ist eine Freikarte für das Kind!" Das Kind ist wenig interessiert, trotz oranger Farbe des Zettels, der eifrig vor seinem Gesicht auf und ab flattert. Denn links vom Kind steht ein Straßenmusiker, und der macht viel tollere Geräusche als die engagierte Tierretterin.

"Na, nun nehmen Sie doch", fordert Fräulein Vogelschutz & Co. Aber der Papa findet sein Kind viel toller, das den tollen Straßenmusiker toll findet. Derweil erläutert die junge Dame diverses, besonders aber, dass wir das beworbene Tierschutzzentrum doch mal besuchen sollen. Tiere seien echt prima. Prima Argument in einer Stadt mit dem größten Zoo weit und breit. Und:

"Wie glaubhaft ist ein Natruschutzzentrum, wenn es nur mit dem Auto erreichbar ist?" - Ja, man könne die Tiere doch nicht in der Stadt ansiedeln! Außerdem seien da Wanderwege der Tiere zu berücksichtigen. Derweil das Kind einen Euro in den Kasten des Musikers geworfen hat. "Und wenn Sie uns auch mal ab und zu unterstützten könnten, wäre das besonders toll", fröhlicht die Sprachflötistin. Dann rauscht sie endlich ab.

Und das Kind? Guckt den orangen Zettel an, schiebt ihn zurück zu Papa und sagt: "Darf ich ein Eis?"




Sie und Er

Deutsche Sprache - schwere Sprache. Das gilt besonders für Ausländer. And here besonders für Spammer.

Mir und mich verwexlich nich. Das kriegen die Jungs noch hin.
Bei Sie und Er jedoch wird's schwer. Beispiel gefällig?


Tina seine Liebe
Klarer Fall: Hier gibts dem Tina seine Liebe vom seim Leben.



Ein Fall nischt nur fuer die Sprackdoktor. Warum?

  • Weil A (Sprachdoktor) hier Herr Mr. Tina als unentschiedener Liebeswegweiser durch die Grammatik irrlichtert.
  • Weil B (Regelbiologiedoktor) seine Liebe = vernachlaessigte Hausfrauen ist. Und einsame Ehefrauen, too. Well, Mr. Tina, go ahead.
  • Weil C (Logikdoktor) die Ehefrauen einsam sind, weil deren Maenner viel unterwegs sind oder einfach nur mit heissen Singles aus meiner Umgebung flirten. Wenn die Muttis so oll sind, täte ich das wohl auch lieber.

Conclusion: Boyz! If you really want to convince, leave the failures out!



Wörter = Taten (missraten)

Sprache ist die Materialisierung des Phänomens, bei dem alle glauben, indem sie die selben Wörter verwenden, beschrieben sie die selben Inhalte und seien der selben Meinung, um bei der Präsentation des Endergebnisses festzustellen, dass permanent über zwei ganz unterschiedliche Dinge gesprochen wurde.

Nanu?

Nicht umsonst mussten wir schon in der Schule Beschreibungen anfertigen, die anderen dabei helfen sollten, einen Fahrradreifen zu reparieren. Kaum eine Beschreibung konnte der Lehrer nachvollziehen. Zwar kann ich hier nicht sein technisches Grundvermögen evaluieren, denn dazu mangelt es an Platz. Sicher aber ist: Ein Videocast hätte ihm eher geholfen.

So auch im wirklichen Leben:

  • Zeige, was du meinst, dann kriegst du, was du willst.

Und für PR-Treibende, Werbefachleute, Designer und andere Berufskreative gilt ferner:

  • Frage, was du weißt, dann weißt du, dass du irrst.
  • Frage, was du nicht weißt, dann lernst du, was du wissen musst.

Anschließend fertige von allen Ergebnissen einen Dummy. Der Klang dieses Wortes verbindet bei der Präsentation dann Produkt und Produzenten. Woraus sich wie von selbst der weiterhin gültige Merksatz destilliert:

Sprache ist das zuverlässigste Medium zur Übermittlung von Missverständnissen.


PR_fuer_Dummies
Titel-Geschichte: Macht auch umgekehrt Sinn. (Link zum Buch)





Nix zu tun

Seien wir doch mal ehrlich: Deutschland ist keine Servicewüste. Niemals.

Wenn ich heute eine E-Mail verschicke, akzeptiere ich gerne Wartezeiten von drei Tagen. Das ist das Minimum. Warum?

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben jemandem - und der antwortet sofort. Was werden Sie denken? „Toller Service?“ Quatsch! "Nix zu tun, der Sack", werden Sie denken. Und zur Konkurrenz wechseln.

Wir sind doch nicht blöd. Auch wenn mal wieder komplett tote Hose ist in dem Laden - drei Tage warten ist Minimum. Denn dann akzeptieren wir auch die sauhohen Preise. Sind ja laufend ausgebucht da.

Nicht?



Selbstmarketing II - Geschenkt

Zugegeben: Geschenke sind eine feine Sache. Der Beschenkte kann sich über unerwarteten Zugewinn freuen. Und der Schenkende über erhöhte Wertschätzung. Sofern das Papier nicht goldener ist als sein Inhalt.

Besonders gilt diese Maxime in Betrieben: Was in der Familie als Zeichen hoher Wertschätzung aufgefasst sein mag, mutiert im Unternehmen schnell zum veritablen Tritt in die Magengegend. Beispiel gefällig?

Ein Chef gibt bei einer Betriebsfeier einem Mitarbeiter ein Geschenk. Der Mitarbeiter freut sich, packt aus und findet – ein ausgemustertes Gebrauchtgerät aus Boss'ens Besitzstand. Noch vor einer Woche hatte der dem Beschenkten die Vorzüge des nachfolgenden Spielzeugs erläutert. Jetzt bekommt der Mitarbeiter das alte als Auszeichnung für geleistete Dienste. Hut ab!

Warum nicht in der großen Familie des Betriebs funktioniert, was bei Sohnemann und Frau Gemahlin hellstes Entzücken erzeugt hätte? Liegt es an den Kratzern auf dem Gehäuse? Den abgeriebenen Piktogrammen der Tasten? Am Schwarz-Weiß-Display? Den Stauchungen der auf einem staubigen Boden gelagerten Umverpackung? Oder daran, dass Aldi heute billiger ist als eBay? Die Antwort ist viel einfacher, liebe Chefs:

Selbst eines Königs Pups riecht nicht nach Rosen.



Guten Morgen.

Manchmal reicht ein Blick auf den Frühstückstisch des Hotels, um den Unterschied zwischen "klug gedacht" und "klug gemacht" ins Hirn gehauen zu bekommen. Das geschieht zum Beispiel in Gestalt kleiner Kunststoffhalter, die Zettel erbaulichen Inhalts bergen. Dort steht zu sehen und zu lesen, der Gastwirt ist drollig Wesen:



Lieber Gast



Abgesehen davon, dass "ohne Hast" auf die Zeit von 8 bis 10 beschränkt war, nenne ich dieses einen Reim reiner Fürsorge. Tenor: Mein Kühlschrank gehört mir. Übersetzt in Werbedeutsch: Hier wird gastlichkeit GROSS geschrieben.

Man muss nicht dumm sein, um zu ahnen: Marketing-Technisch ist das ein Schuss in den Brötchen-Ofen. Statt dem Reisenden den Spaß am Bündelbinden zu mindern, empfiehlt sich, lieber Wirt, ein Überschlag. Das meint nicht den Salto im Speisesaal:

Subsummieren Sie einfach die entstehenden Mehrkosten durch unsachgemäßen Brötchenverzehr, so genannte außerhäusig orientierte Frühstückbuffetplünderei. Das Ergebnis teilen Sie danach durch die Zahl der im Beobachtungszeitraum beherbergten Gäste und addiert dieses zweite Ergebnis – nach oben gerundet – zu den Zimmerpreisen. Die Folge:

Sie sparen sich die Kosten für das Ersetzen dauerentliehener Fotokopien und die einmalige Anschaffung der diversen Aufsteller. Dafür packen Ihre Gäste ab sofort ohne Gewissensbisse Ihren Picknickkorb. Wenn das nicht gut für's Image ist...



Selbstmarketing I - Grundlagen

Selbstmarketing ist eine hohe Kunst, die nur wenige beherrschen. Beredtes Zeugnis dieser Leerstelle im Darstellungsvermögen durchschnittlicher Erwachsener legen all wochenendlich die Kontaktanzeigen in Zeitungen ab. Sie kenne die Dinger:

  • Da sucht ein Topf seinen Deckel (der, wie Töpfen unbekannt zu sein scheint, fast immer aus der selben Fabrik kommt).
  • Ein Fisch sucht sein Fahrrad (weil er offenbar meint, mit rostigen Ketten fährt es sich besonders gut unter Wasser - auch eingedenk mangelhaft ausgebildeter Füsse. Oder sucht Fisch einen kuscheligen Platz im Schwitzkasten des Gepäckträgers?).
  • Und selbst das Alleinstellungsmerkmal "Prinzessin" auf der Suche nach einem mutmasslichen "Prinzen" ist von erstaunlich universeller Häufigkeit (wie übrigens auch die Enttäuschung, nach der von Krone und Zepter geprägten Nacht neben einem behaarten Urviech aufzuwachen).

Dabei wäre die
Zielgruppen-Analyse doch ganz einfach: Die Herren beschreiben schließlich recht eindeutig, was sie wollen. Und die Damen auch.

Was nun führt zum
Erfolg? Im Prinzip könnte schon die Kopie der beschriebenen Wunschlisten und Leerstellen ausreichen:


  • "Ja, ja, ja, meine Herren. Ich habe langes blondes Haar. Ich bin sportlich. Ich liebe nacktbaden. Und bin gerade erst volljährig geworden." gefolgt von dem Hinweis: "Ruf mich an!" Jede Wette, das Ding zieht.


Auch für Herren gibt es schlichte Lösungsmuster:


  • "Mein Auto gehört dir. Und mein Haus. Und meine Yacht auch, natürlich, Schatz." Hier folgt der Zusatz: "Nur ernst gemeinte Zuschriften unter Chiffre 08/15-ABC."


Wer nun aber meint, auf diesem Wege eher als durch Feld- und Eigenstudien an öffentlichen Plätzen zu erhalten, was er/sie wünscht, sollte sich parallel auf jeden Fall an eine höchst erfahren Institution in Sachen Wünschen wenden: Den Weihnachtsmann.




Mich gibt's hier nicht

Das schöne am Leben mit offenen Augen ist, dass man gelegentlich auch von Plakatwänden belehrt wird. Heute habe ich gelernt: Mich gibt's hier nicht. Wie das?



"Die Südstadt viele Gesichter hat"
dichtet der Dichter und setzte mich matt.


Südstadt





Ach wat? Tatsächlich: Betrachtet mann das illustrierende Foto des Werbeplakats, fällt einem sofort ins Auge:

Auf der grünen Spielplatzwiese
sitzen Eva und die Liese.



Auch deren Kindereien Anna, Berta und Suttna bevölkern den mit Teppich und Sofa bemöbelten Frei-Raum. Was fehlt (ja, fehlt es wirklich, geschätzte Betrachter) sind: Männer. Keine da. Warum?

  1. Die Südstadt braucht uns nicht.
  2. Alle Männer leben in Limmer (oder sogar Lummerland)
  3. Männer haben kein Gesicht.
  4. Alle Männer gucken gerade Fußball-WM.
  5. Das Bild zeigt den Grund für die gelegentliche Verbalhornung dieses Städtchens.


Als was? Na: Hangover.



Feuer und Flamme

Zugegeben: Schließt ein Geschäft, ist das nicht schön. Besonders die Angestellten haben eine harte Zeit. Denn Sie müssen helfen, ihren Noch-Arbeitsplatz Tag für Tag weiter auszuweiden, bevor er sie selber auf die Straße spuckt.

Trotzdem: Manche Antwort sollte sich man/frau Personal doch genauer überlegen. Nicht, weil es mir an menschlichem Mitgefühl fehlt, sondern weil Professionalität ein Teil dessen ist, was die Entlohnung (und bei Verkäufern dazu die Provision) rechtfertigt.

Beispiel gefällig?
Frage: "Was ist eigentlich der Grund, dass dieses Geschäft schließt?"
Antwort: "Weil Sie zu wenig gekauft haben!"

Danke für diese Auskunft. Ihre Antwort bedeutet übrigens korrekt übersetzt:

"Es ist Ihre Schuld, dass unser Marketing-Konzept nicht aufging."
(plus: "Weiß eigentlich jemand, ob wir überhaupt eines hatten?")



Die Bahn lernt uns die Uhr

"Reisen bildet", sagt der Volksmund. Und tut das grammatisch korrekt.

"Die Bahn lernt uns die Uhr" sage ich. Und auch das ist korrekt:



Zeit-im-Zug-small
Rückläufige Realität: Reisen mit die Bahn.



Man erkennt: Dieser Zug ist eindeutig 26 Minuten zu früh. Er wird zur gewohnten Zeit ankommen. Das ist sicher, denn Worte können nicht irren. Der Name des Phänomens: Vorsprung durch Technik.

Warum dieser Service allerdings nicht in allen Zügen des Nah- und Fernverkehrs angeboten wird, bleibt mir ein Rästel. Ist die flächendeckende Implementierung zu kostenintensiv?

Oder gilt, was der Volksmund gleichfalls gern besingt: "Ob er aber über Oberammergau..."





Stühle im Selbstgespräch

Es gibt Städte, denen fehlt ein "E" im Namen. "E" wie "Entdeckung". Zum Beispiel. Luckenwalde. Und das kommt so:

Luckenwalde hat Platz. Und Luckenwalde hat etwas Geld. Also macht Luckenwalde einen Flyer. Mit Strukturkarton. Mit Text. Und mit Bildern wie diesen:

communication_center
"Gut gereiht ist halb gewonnen" oder "Communication-Center"




rot
"Rote Lasterhöhle."


Sie alle beweisen: Lueckenwalde hat wirklich jede Menge Platz. "Raum für Ihre Ideen" nennt das der Flyer. Und verrät auch gleich, welche das sein könnten: Tagungen, Kongresse, Konferenzen.

Leider sind die Ideen so neu, dass sie noch keiner vormachen konnte. Wozu auch: Menschen ins Bild? Hier sprechen Stühle für sich selbst! Was sonst könnte auch so überzeugen?




SEX, in Gottes Namen

Mit Gottes Hilfe lässt sich immer mal was lernen. In den US of Aha haben sich jetzt Konvertiten als findige Zeitgeist-Surfer erwiesen. Mit Godcasts, Tageslosung als SMS, Beichte per E-Mail und Pope live auf Mega-Screens in den Kirchenraum gebeamert zeigen Sie, wie aufgeschlossen sie sind - neuen Techniken gegenüber ebenso wie brisanten Themen. Das wichtigste von Ihnen: SEX!

Auf der Website eines der gottesfürchtigen Vereine fand sich daher die folgende aussagestarke Abbildung:



Lets_TALK_about_sex
That's it, folks.



So eine (Selbst-)Anzeige hat die Qualität von "Hier wird Service GROSS geschrieben!"

Was sich daraus lernen lässt? Sollten Sie gleichfalls, verehrte LeserInnen, auf die waghalsige Idee kommen, über die wichtigen Dinge im Leben lieber zu schwatzen, als dann und wann charmant zur Sache zu kommen, dann wechseln Sie besser gleich den Job. Ihr Partner wird ehedem bei Zeiten verschwinden.



Frau Lampe

Wir haben es schon immer gewusst: die Frau ist eine Lampe. Dunkel, mit Wuschelfrisur und ohne Kleidung. Heiße Sache, das.

Denn wir haben schon immer gewusst:
Sex sells. Was daran liegt, dass meist Männer Werbebudgets verwalten und diese Männer bevorzugt Playboy lesen. Denn anders ist schwer zu erklären, dass gerade Frau Lampe den Konsum ankurbeln soll (was sie wegen des Lampenschirms zwischen den Händen ja gar nicht kann).

Wissenschafter haben zwar herausgefunden, dass die avisierte Gruppe der
männlichen Portemonnaie-Besitzer ihrem steinzeitlichen Beutejägertrieb folgend beim Bezahlvorgang der frisch erlegten Ware eine Ausschüttung von Glückshormonen erleidet. Andere Wissenschaftler berichten aber, dass bei sexy Werbung mündige Männer vor allem auf Brust und Po der Beutehalterung gucken. Das Logo, der Firmenname? - "Irgendwas mit Busenwunder."

Und Frauen? Schauen der plakatierten Konkurrenz dorthin, wo sie in der eigenen Hose Über- und der
Bluse Untermaß befürchten. Allerdings streift ihr Blick bisweilen doch das Logo. Sie merken sich dann, über welchen Porno-Lampenladen sie beim nächsten Cappu mit Chérie im Café abkotzen.

Egal. Frau Lampe hat was: Keine
Brustwarzen, zum Beispiel. Und warum? Selbst in der Lampenwerbung gelten rigide Sparzwänge.


Frau_Lampe
Große Bälle: Frau Lampe zeigt, was sie hat.