Kunden brauchen Liebe

Software ist ein dröges Geschäft. Auch und gerade für Kunden:

Die meisten Programme kaufen wir heute Online. Wir füllen den digitalen Einkaufskorb mit digitalen Waren. Wir geben Kreditkartendaten ein oder die Zugangscodes für PayPal, Click&Buy, eSellerate und wie sie alle heißen. Wir bekommen eine E-Mail mit Downloadlink und Lizenzcode. Ihn geben wir nach Download und Installation in die Software ein. Und die bedankt sich in aller Regel mit einem schnöden Prompt im Standarddesign des Betriebssystems. Das war’s.

Wie viel schöner wäre dagegen das Leben als Konsument, wenn der Wert des eigenen Handelns auch grafisch erfassbar wäre, quasi in einer wertschätzenden Honoration des ökonomiekonstituierenden Verhaltens in Gestalt eines Augen erfreuenden Bildes wie beispielsweise diesem hier:

zertifizierter kauf



Ach, wie fein es wäre, täten auch andere das machen. Nicht wahr?


Lesen bildet! (Verstehen noch mehr...)

Es gibt Witze, die sind so gut, dass man bei ihnen keinesfalls auch nur den Anflug eines Punktes ergänzen sollte.

Eine der besten Witzeerzählerinnen der Woche ist Petra (29) aus Paderborn (NRW), die bei dem üblichen Frage-Antwort-Spiel für entkleidete Bild-Leserinnen sagte:

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Väter werden immer jünger

Väter werden immer jünger, auch im europäischen Hochadel. Hochadel meint hierbei jene Bevölkerungsgruppe mit künstlich verlängerten Ortsnamen, die aus früheren Zeiten stammend noch immer über beträchtliche Geldmittel verfügen, was sie für verschiedene Menschen attraktiv macht – allen voran Klatschkolumnisten.

Und einem (einer?) solchen ist in der Süddeutschen nun der Beleg gelungen, dass Väter immer jünger werden:

casiraghi



Das ist sehr bedauerlich.

Wobei ich nicht allein den frühen Tod des Vaters meine, sondern auch, dass im Eifer des Gefechts manchem zu entgehen scheint, dass die deutsche Grammatik überall ihre Fallen birgt. Und dass professionell zu schreiben so wenig vor Fehlern schützt wie ein renommierter Arbeitsplatz.

(In diesem Fall hieße es übrigens korrekt: „ein Arbeitsplatz bei einer renommierten Tageszeitung“ ;-)


OS X ist Windows

Manchmal sind Copy & Paste wahrhaftig keine Helfer: Wenn in Magazinen falsche Kontaktdaten unter einem Unternehmen stehen, weil die Box im Satzprogramm einfach dupliziert wurde. Wenn Tabellenspalten eingefügt werden und ungewollt Doubletten entstehen. Wenn veraltete Daten aus einem Dokument als aktuell publiziert werden – die Chancen zu scheitern sind vielfältig.

Dass selbst weit vorne im Markt positionierte, hoch professionell aufgestellte Unternehmen vor derartigen Misslichkeiten nicht gefeit sind, zeigt ein aktueller Screenshot aus dem Downloadbereich eines bekannten Scanner-, Drucker- und Kameraherstellers:


OSX für windows


Nein, ich möchte jetzt nicht in den Chor sektiererischer Mac- oder Windows-Fans einstimmen. Nur anmerken, dass so etwas flächendeckend gemacht peinlich wird, das möchte ich dann doch noch kurz.



Kleingedrucktes

Twitter ist klasse. Wer schnell mal einen Lebensaspekt in 140 Zeichen destillieren möchte, hat per Browser jederzeit Zugriff auf Millionen von potenziellen Wahrnehmern. Und jetzt wird alles noch besser: Mit dem neuen Twitter.

Damit auch alle gleich verstehen, wo die Vorteile liegen und welche prima Verbesserungen es gibt, haben die Twitter-Marketer gleich ein Video ins Netz gestellt, das alles anschaulich beschreibt. In Deutschland begrüßt es einen so:


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Das sieht hübsch aus, nutzt aber nichts, denn mitten im Schwarzen ist da diese kleine Zeile, diese Fast-Nutzen-Mitteilung


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Gut zu wissen. Nur: Was ist denn jetzt neu an Twitter? Unzureichende Kommunikation?



Spam-Pal

Spam ist doof. Das wissen wir. Aber dass Spammer doof sind, ist eine neue Entdeckung. Dieser hier allerdings machte es dem geneigten Betrachter auch überraschend leicht. Schon die Absenderkennung war nur sehr mäßig vertrauenswürdig:

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Gleichfalls die Anrede ließ von einer gewissen Unkunde der hiesigen landestypischen Gepflogenheiten ausgehen:


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Als Produkt adressiert zu werden, ist mir nicht häufig passiert. Ok, der Bäcker sagt morgens immer „Morgen Herr Mohnwecken“ und der Autohändler meinte jüngst, „so eine Reifenpanne kommt schon mal vor, Herr Vokswagen“. Aber sonst...

Dann folgte ein charmant hölzerner Stil, der eher auf eine maschinelle Übersetzung schließen ließ als auf einen sorgengebeutelten Diensteanbieter, denn da stand:


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Spätestens hier hätte auch eine mäßig intellektuell begabte Blindschleiche Lunte gerochen und ein Problem im Zusammenhang mit Ihrem Konto festgestellt, und zwar ein Abbuchungsproblem. Daraufhin hätte sie gewiss den Betreff

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ein wenig gegen den Strich gebürstet und einen folgenleichten Schluss gezogen: PayProblem, Pal.



Red Alert

Nun ist es so weit: Der Energiehunger der häuslichen IT nimmt ein bedenkliches Maß an:

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Wenn 92% Batterieladung für einen Alarm sorgen, wie viele Sekunden bleiben mir dann wohl bei nur noch 10 Proz



Herr #NACHNAME#

Ich gebe es frei und offen zu: Ich spotte machmal schon gerne ein bisschen. Zum Beispiel über die arbeitserleichternden Automatismen von Serienbrieferzeugern, zumal, wenn diese patzen. Ein charmantes Exemplar eines solchen Patzers erreichte mich jetzt in Gestalt eines Belegexemplars, repsektive seines Adressaufklebers. Denn auf dem Stand:

Herr Nachname


Nicht allein, dass die Agentur, wollte man der Schreibung Glauben schenken, „Namuprrrrr“ ausgesprochen werden müsste, war mir meine Umbenennung gänzlich neu und muss ich im Neujahrstrubel irgendwie verpasst haben. Immerhin bin ich jetzt im Bild. Und zolle dem Postboten meinen Dank dafür, dass er trotz der drolligen Adressierung so freundlich war, die Zeitschrift zuzustellen.



ynamreG

Im Straßenverkehr gilt an Kreuzungen und Einmündungen ohne explizite Vorfahrtregelung „Rechts vor Links“. Das ist schön, man kann es sich leicht merken und es hilft, herauszufinden, wer denn nun an dem verbeulten Kotflügel Schuld ist, der plötzlich am eigenen Auto hängt.

Rechts vor links in der Schriftlichkeit ist dagegen nur bedingt hilfreich. Das gilt besonders, wenn die Schreibrichtung von links nach rechts verläuft – wie zum Beispiel beim Deutschen.

Wenn nun jemand schnell tippen kann und die Eintragsfelder mit Tabs durcheilt, bekommt Apples Kontaktverwaltungsprogramm „Adressbuch“ ganz fix Probleme. Es nimmt zwar die Zeichen in der richtigen Reihenfolge entgegen, aber dann...


ynamreG


... ändert es ungefragt und unbestätigt die Schreibrichtung. Das sieht drollig aus und ist auch sonst hervorragend unnütz. Jedenfalls fast. Denn ohne jenen Unsinn hätte es ja diesen Eintrag nicht gegeben.

Danke :-/



Professionell

Pressemitteilungen sind auch 2010 noch immer ein unerschöpflicher Quell der Freude. Zumindest für jene, die nicht nur offenen, sondern auch sehenden Auges und denkenden Hirns lesen. Zum Beispiel eine Überschrift wie diese:


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Ist es nicht wunderbar, wie diese kurzen Zeilen den Leser unausweichlich auf die hohe Wertigkeit und den essentiellen Nutzen des bejubelten Produktes verweisen? Und sie tut es sogar doppelt, damit auch ja kein Depp die frohe Kunde verpasst: Professionell. Jawohl: Doppelt professionell sogar. Ganz so, als würden professionelle Werkzeuge für die unprofessionelle Nutzung oder sogar die professionelle Nichtnutzung von etwas angeschafft, quasi als „Na und? Habe ich auch schon“-Deko des IT-Systems....

Wohlmöglich aber liegt die dubiose Doppelung auch einfach nur an der Professionalität seiner Verfasser. Denn die haben das Bonmot „Ich bin Geschichtenerzähler“ von Klaus Kocks über seine PR-Tätigkeit offenbar etwas zu wörtlich genommen und beginnen ihre Meldung mit einem beinahe schon klassisch zu nennenden Einstieg – klassisch insbesondere für Märchen:


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Wie so oft, wenn Märchenerzähler glauben, durch einen langen, weiten, mit Banalitäten gespickten Spannungsbogen die Wirklichkeit mit besonders viel Bedeutung aufzuladen, ist auch hier der Knalleffekt in etwas vergleichbar mit dem Öffnen eines Kronenkorkens – ein leises „Pfft“. Das war’s.

Doch welcher Trost bleibt den armen Verfassern, die gewiss für Tage an ihrem gestümperten PR-Text geschrieben, gestrichen und gebastelt haben? Vielleicht die alte Weisheit, dass auch von schlechten Nachrichten am Ende nur der Name haften bleibt? Oder dass eine professionelle PR-Agentur manchmal ganz nützlich sein kann?